Die Maschinen stehen, das Geräusch der Dieselmotoren verstummt. Die Besatzung tritt auf dem Achterdeck an. Eine kurze Ansprache des ältesten Wachoffiziers, der die Führung übernommen hat. Wenige Worte nur, schlicht, aber tief empfunden, dem Kameraden vom Kameraden nachgerufen, dem Kommandanten, dessen Leiche soeben in die Tiefe gleitet, und dem Rudergänger, der ihm im Tode voranging. »Vater unser, der du bist« ....

Kaum ist das Amen verklungen, als alles auf Station eilt. Zur Trauer und zum Gedenken der Toten ist später Zeit. Die Waffe fordert ihre Rechte. Sie muß dem Vaterlande erhalten bleiben. Und wieder rattern die Motoren, rauscht das Wasser an den Bordwänden längs.

Drei Tage und zwei Nächte voll gespannter Aufmerksamkeit, voll aufregender Augenblicke mit dem nur bedingt manövrierfähigen Boote folgen, Stunden, in denen kein Auge sich schließen darf, in denen nur der bis zum äußersten angespannte eiserne Wille, das Boot nach Hause zu bringen, den völlig erschöpften Körper aufrecht erhält. Dann tauchen voraus die roten Felsen Helgolands auf.

Eine halbe Stunde später, Meldung von »U 187« an Flotte:

»Habe fünfundvierzigtausend Tonnen versenkt. Kommandant und ein Mann im Gefecht mit U-Bootsfalle getötet, ein Offizier, ein Mann verletzt.«

Abends in der Messe des U-Boot-Wohnschiffes. Harte, energische Züge scheinen für einen Augenblick noch entschlossener, schärfer zu werden. Ein kurzes Gedenken der gefallenen Kameraden, die geblieben sind. Und gleichzeitig ein stilles Gelöbnis: Den Kampf durchzukämpfen bis zum Siege.

Der deutsche Reservist

Srrrr ... sr ... srrrrr .... knistert es in der Antenne. Bald kurz, bald lang, eine ganze Weile schon. Dann verstummt das Sirren, und nach wenigen Minuten taucht der F. T.-Gast mit seiner Funkspruchkladde in dem Turm hoch, um das soeben abgehörte Gespräch dem Kommandanten vorzulegen: »Herr Kapitänleutnant, Funkspruch von »U 103«: »Stehe fünfzig Seemeilen südlich Kap Clear, haben Sie Appetit auf frischen Schweinebraten? Kommen Sie bald, Filet für Sie aufgehoben.«

»Donnerwetter!« entfährt es dem Kommandanten, »Nu aber fix, Steuermann zeigen Sie mal die Karte her. Wie weit stehen wir ab?« Schnell ist mit dem Zirkel die Entfernung abgegriffen. In zwei Stunden kann »U 145« an der angedeuteten Stelle sein. Drei Wochen schon ist das Boot draußen im Sperrgebiet an der französischen Westküste zwischen Spanien und Irland tätig, über dreißigtausend Tonnen sind ihm bereits zum Opfer gefallen. Zwar herrscht kein Proviantmangel an Bord, der Schmutje stellt sogar als früherer Küchenchef eines Reichspostdampfers ganz leckere Gerichte in reicher Abwechslung auf den Tisch. Was aber will das besagen gegen den zauberhaften Klang: frisches Schweinefleisch! Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die frohe Nachricht durch das ganze Boot, welch leckerer Bissen in nächster Nähe winkt. Nach dem erfolgreichen Wirken der letzten Tage ist die Schiffahrt in dieser Gegend ohnedies für eine Zeitlang vergrämt. Es wird nichts versäumt, wenn »U 145« der freundlichen Einladung folgt.

Die Dieselmotoren arbeiten so glatt und ruhig, als wüßten sie, daß in der Nähe frischer Braten wartet. Kaum zwei Stunden später taucht voraus der graue Turm eines U-Bootes auf, an dessen vorderem Sehrohr das Erkennungssignal flattert. Weit und breit ist sonst nichts Auffälliges auf dem Wasser zu sehen. Die See ist durch die Westbrise, die kaum wahrnehmbar schon seit einigen Tagen stetig weht, nur ganz leicht bewegt. Eine Viertelstunde darauf liegen die beiden Boote nebeneinander. Vorn am Bug von »U 145« steht der Matrose Beckmann aus Vegesack mit der Wurfleine. Geschickt schleudert er sie zum Kameraden hinüber, der sie ebenso auffängt und die dünne Stahlleine nachholt, Gleichzeitig mit der Stahlleine geht aber auch die bescheidene Anfrage hinüber: »Hebt ji die Wust all ferdich?« Der Angerufene grinst bloß vielversprechend und deutet nach dem Achterdeck, wo eben großes Schlachtefest stattfindet. Ein Schwein ist bereits gänzlich zerlegt, während das zweite, für »U 145« bestimmte, sauber und sachkundig geteilt an Deck liegt.