Von Gnaden stark, an Wahrheit mächtig,
Mein Licht wird hell, mein Stern geht auf!“
Dann sank sie in das Kissen zurück und war heimgegangen. —
„Dein Leid, mein Leid,
Meine Freud’, deine Freud’,
Deine Not, meine Not,
Mein Brot, dein Brot,“
so hatt’ ich an unserem Hochzeitstage in ihr Gesangbuch geschrieben: das war unser Ehevertrag gewesen, und treulich haben wir denselben alle beide gehalten, bis nach vierundzwanzig Jahren Gott selber ihn gelöst hat.
Wie mir’s war in jener Nacht, als ich mit meinem Johannes bald an das Bett seiner Mutter, bald an das seiner Geschwister trat, — ich weiß es nicht mehr. Der Herr hatte meine Seele betäubt, daß ich war wie ein im Schlaf Wandelnder. Folgenden Tags grub ich, Hans Ebeling und mein Söhnlein ein Grab aus, hart neben dem Grab des alten Veit, wickelten die Leichname in weißes Linnen und senkten sie ein unter Gebet und Tränen. Als wir damit zu Ende gekommen, brachte unser Nachbar, der Schreiner, ein Kreuz und sprach: „Schulmeister, das ist für Eures Weibes Grab. Mit ihrem gottseligen Wandel hat sie im Leben Christi Lehre geziert in allen Stücken, so soll auch sein Kreuz sie zieren in ihrem Tod!“ Ihm wolle auch der Herr seinen christlichen Liebesdienst lohnen am großen Tage der Vergeltung.