Nun aber hatte der Jäger, wie mir nachher des Paradeisers Roßbube erzählte, den Hauptmann aufgefordert, am Montag in aller Frühe, sowie das Tor aufgetan würde, den Flecken selber zu überfallen und aus der Kellerei das Geld zu holen, was, da man keines feindlichen Überfalls gewärtig sei, sich leicht ins Werk setzen lasse und sicherlich gelingen müsse. Dem Jäger solle er dann hundert Taler abgeben, mich aber solle er mit fortnehmen, damit ich auf ihn, den Jäger, keinen Verdacht bringen könne. Falls ich in den Tannen nicht zu ihm käme, solle er nur irgendwie dafür sorgen, daß ich der Bürgerschaft als Verräter und Angeber kundgetan würde. Er selber wolle mich dann schon so schrecken, daß ich dem Hauptmann durch Wasser und Feuer nachlaufen solle.

So haben diese zwei Bösewichter auch getan, und als an jenem Morgen der alte Veit und mein Gespiele Klaus Mündlein erschlagen und die Kellerei geplündert war, und ich vor der Stimme meines Gewissens und vor unsäglicher Herzensangst bereits nicht mehr wußte, wo aus und wo ein, kam jener Bauer von Erlach und richtete mir des Paradeisers Botschaft aus, und wie ich mich umwandte, um Euch, lieber Vater, aufzusuchen und alles zu bekennen, stand plötzlich der Jäger vor mir und mahnte mich, eilend zu fliehen, weil ich sonst mich und Euch in Jammer und Schande bringen würde: ich solle nur in Gottes Namen dem Hauptmann folgen, zumal derselbe ja doch nur Kriegsgebrauch geübt habe, ich aber keinen Menschen von meiner Unschuld würde überreden können, am wenigsten den Amtskeller.

Er schien mir die Wahrheit zu sagen, und ich folgte dem bösen Rat. Im Wald holte mich der Jäger ein und brachte mich zu dem Hauptmann, der mich mit Lachen empfing; der Jäger aber sagte: ich solle nur guten Mutes sein — er wolle den Leuten schon wacker Sand in die Augen streuen, und wenn ich in etlichen Jahren als ein Leutnant oder Rittmeister heimkäme, wie er nicht zweifle, solle kein Hahn mehr nach den alten Geschichten krähen.

Es hat des Hauptmanns Roßbube mir nachgehends noch erzählt, wie er glaube, daß der Jäger noch an selbem Tage seinen Lohn erhalten. Denn als er mit dem empfangenen Gelde sich hinwegbegeben, sei der Hauptmann mit einem bösen Buben aus der Kompagnie, der sich zu allen bösen Stücken habe brauchen lassen, ihm nachgeschlichen, und als sie wieder zum Haufen gekommen, habe er wohl bemerkt, wie der Hauptmann einen ledernen Beutel, der dem Jäger zugehört, und in den dieser das Geld getan, aus der Tasche gezogen und über den Weg hinüber in die Hecken geworfen, woraus er gleich vermutet, daß sie den Jäger kalt gemacht und das Geld ihm wieder abgenommen hätten. Wie dem sei, er wird dem gerechten Richter nicht entgangen sein!

Sechzehntes Kapitel.
Der Brief. (Fortsetzung.)

Vorgetan und nachgedacht

Hat manchen in groß Leid gebracht.

Ich zog nun sehr traurig mit dem Haufen in den Wald. Da allenthalben das schwedische Volk in der Gegend lag, geschah der Marsch in großer Stille und Vorsicht; die Nacht aber sollte im Walde verbracht werden. Als wir nun an einen tiefen Graben gekommen, wo man ein Feuer machen konnte, ohne daß man es in der Nachbarschaft gewahr wurde, ließ der Hauptmann haltmachen und sich lagern; ich setzte mich auch zum Feuer und mochte sehr niedergeschlagen aussehen.

„Nun, Bürschlein,“ begann der Hauptmann, „wie gefällt dir das Kriegsleben? Nicht wahr, es ist doch schöner, hinter der Kanne sitzen und Würfel spielen, als auf der Erde liegen und in die Tannenäste und in die Sterne sehen? Aber nur lustig! So geht’s nicht alle Tage. Bei den Soldaten heißt’s: Heute naß und morgen trocken, heute null und morgen vull!“