Hier kam ich wieder zu mir, traute mich aber nicht heraus, weil die Kaiserlichen noch da waren, sondern hielt mich an einem überhängenden Weidenzweige so weit in die Höhe, daß ich mitunter den Kopf über das Wasser heben und Atem holen konnte. Sie gingen aber nicht vorwärts, wie ich gehofft, sondern standen ratschlagend beieinander und schauten links die Ebene hinauf. Ich wußte nicht, warum sie stutzten, hörte aber bald links oben immer lauter das Geschrei näher kommen: „Gott mit uns! Gott mit uns! Emanuel! Emanuel!“ — Während nämlich unser rechter Flügel gleich anfangs weichen mußte, hatte der Oberst Rosa nebst dem Grafen von Nassau der Kaiserlichen rechten Flügel zurückgeworfen, der Herzog, welcher das Zentrum kommandierte, hatte unsern rechten Flügel, der sich bei der Reserve glücklich wieder gesammelt, an sich gezogen und siegreich den Feind von der Walstatt getrieben. Das kaiserliche Volk zog sich nun auch die Ebene hinauf, wo der Streit entbrannt war, ließ aber einen ansehnlichen Haufen bei dem Turme zurück, so daß ich immer noch nicht wagen durfte, aus dem Strom zu steigen.
Endlich, als der Herzog das Feld behalten, und ich der Unsrigen Lobgesang aus der Ferne hörte, — sie sangen aber den 124. Psalm: Wär’ Gott nicht mit uns dieser Zeit! usw. — begann der Haufe im Turm abzuziehen. Ich faßte nun frischen Mut, denn es war bereits Abend, und ich konnte mich vor übergroßer Schwachheit kaum mehr halten. Da aber entdeckten mich durch das Weidengebüsch einige der abziehenden Kroaten und rissen mich sofort aus dem Strom. Sie schlugen mich fast zu tot, setzten mir die Spieße auf die Brust und wollten mich durchstechen, einer aber sagte: „Halt, es ist ein Offizier! ich hab ihn heut in dem Turm den Haufen kommandieren sehen, gebt ihm Quartier, er mag sich wohl ranzionieren!“ So banden sie mich, wie ich war, auf ein Pferd und jagten mit mir davon.
Zwanzigstes Kapitel.
Der Brief. (Fortsetzung.)
Ach wie bald, ach wie bald
Schwindet Schönheit und Gestalt!
Prahlst du gleich mit deinen Wangen,
Die wie Milch und Purpur prangen,
Ach, die Rosen welken all!
Volkslied.