Ach, ich habe seitdem viel geseufzt, viel geklagt, bin auch von viel schweren Zweifeln und Anfechtungen geplagt worden. Meine Seele ist, wie’s im Psalm heißt, voll Jammer, und mein Leben ist oft nahe bei der Hölle gewesen, ich bin so müde geworden von Seufzen, ich habe wie David mein Bette geschwemmt und mein Lager genetzt mit Tränen manche Nacht, aber ich habe doch auch immer wieder vernommen das Wort Gottes, meines Heilandes: Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein! und darum hab ich großen Frieden. O, ich hab es lebendig und kräftig erfunden, das Wort des Herrn, und scharf wie ein zweischneidig Schwert, und hab es durchdringen gespürt, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, aber ich hab’s auch erfunden als die Salbe in Gilead, die alle Wunden heil macht. Gott segne dich, Olufsohn, daß du noch einmal ein Samariter an mir geworden bist und hast Öl und Wein mir gegeben auch für meine arme Seele. O mein Gott, ich hatte viel Bekümmernis in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergötzten meine Seele.

Gott ist mein Zeuge, wie sehnlich ich immer noch wünsche, Euch noch einmal zu sehen und ein Wort der Vergebung aus Eurem Munde zu hören, doch aber — es wird täglich weniger mit mir, und Gott hat’s anders beschlossen. Ich gebe mich darein! Hat er mir die größere Gnade gewährt, daß er mich errettet hat aus den Stricken des Verderbens, in denen ich gefangen lag, will ich nicht murren, wenn er nun die geringere Gnade versagen will. Hab ich Gutes von Gott empfangen, sollt ich das Böse nicht auch hinnehmen?

Warum sollt ich mich denn grämen,

Hab ich doch Christum noch,

Wer will mir den nehmen?

Wer will mir den Himmel rauben,

Den mir schon Gottes Sohn

Beigelegt im Glauben.

So lebt denn wohl, herzliebe Eltern! Gottes Lohn für jedes Samenkörnlein göttlichen Wortes, das Ihr von früh an in meine Seele gelegt! — endlich ist’s doch aufgegangen, als das Unwetter der Trübsale es befeuchtete. Vergebt, vergebt! es wird Euch doch eine Freude sein, wenn Ihr am großen Tag des Herrn die kleine Herde beisammen findet, über die Ihr das Hirtenamt geführt, — dort, wo der Erzhirte auch den Verlorenen Euch hinzubringen wird. — Ihr, meine lieben Geschwister, gedenket mein wiederum im Guten und betet, daß Gott Euch nicht auf meinen Weg kommen lasse, — denn auf dem heißt’s: Mit Lust gesündigt, mit Pein gebüßt!