Zehn Tage habe ich bereits an diesem Brief geschrieben, der naß geworden ist von vielen Tränen. Heute muß ich ihn schließen: meine Augen werden dunkel, meine Hand zittert und kann nicht mehr die Feder führen, und die Gedanken vergehen mir wie ein Licht, dem die Flamme gebricht. Sagt auch dem Amtskeller, daß ich ihn tausendmal um Verzeihung bitte wegen alles dessen, was ich ihm zugefügt. Er ist mir stets ein gütiger Herr gewesen und wird einem sterbenden Menschen keinen Groll nachtragen. Laßt auch, wenn Ihr diesen Brief erhaltet, in Sommerhausen, wie es bräuchlich ist, am Sonntag darnach den Pfarrherrn von der Kanzel der Gemeinde kundtun, daß Valentinus Gast in dem Herrn gestorben sei, und weil ich als reumütiger Sünder, aber mit guter Zuversicht auf meinen Heiland aus dieser Welt gegangen, soll er nicht anstehen, wie bei andern Christenleuten auch zu sprechen, daß der Seele Gott genade, dem Leib aber am jüngsten Tage eine fröhliche Auferstehung verleihen wolle mit den andern allen!
Nun erst kann ich sprechen: Was mein Gott will, das gescheh’ allzeit!
Christus, der ist mein Leben,
Und sterben mein Gewinn,
Dem tu ich mich ergeben,
Mit Freud fahr ich dahin.
Aus sechs Trübsalen hat der Herr mich errettet, so wird auch in der siebten kein Unglück mich rühren. Der Gott, der mich nun durchs finstere Tal führen wird mit seinem Stecken und Stab, der geleite auch Euch, Vater, Mutter und Geschwister, bis wir im himmlischen Jerusalem, der hochgebauten Stadt, uns wiedersehen werden. Bis dahin lebet wohl und gedenket mein in Frieden! Darum bittet Gott und Euch
Euer getreuer Sohn
Valentinus Gast,