„Eins ist not! du treuer Gott,
Schenk uns einen sel’gen Tod!“
„Du treuer Gott!“ rief mein Sohn, warf mir noch einen Blick zu und sank auf sein Kissen zurück. — „Amen!“ sagte ich und beugte mich über ihn, — da hatte sein Herz den letzten Schlag getan.
Ich stand eine Zeitlang schweigend da vor seinem Lager und betrachtete die auch im Tode schönen Züge seines Antlitzes, welche nun die seiner seligen Mutter geworden waren, und betete, — unten auf der Straße aber wurden Männerstimmen laut und Pferdegetrappel. Es sammelte sich das Kriegsvolk seit etlichen Tagen schon um Würzburg, weil die Schwedischen einen Schlag vorhatten, und ein Reitertrupp von Ochsenfurt kommend, zog eben durchs Städtlein. Mit einem Male klangen wieder die Trompeten und Zinken und schmetterten hell über den Kirchplatz, und siehe da! sie bliesen wieder dasselbe Reiterstücklein, das meinem Sohn damals, da er noch fast ein Kind war, die Tränen aus den Augen getrieben, und darin der Tod auf dem Schlachtfeld als der löblichste gepriesen wird. Da wallte mein Herz über vor großer Bewegung, und ich rief unter lautem Weinen: „Armer, armer Valentin! was ist aus den hochgehenden Planen deiner Jugend geworden? Der Tod ist an dir vorübergegangen, wo du so gerne ihn in die Arme meintest nehmen zu wollen, — auf der grünen Heid, und hat dich weggetrieben und hat dich heimgeleitet ins arme Kämmerlein, und dort erst hat er gesagt: ‚Nun komm!‘ auf daß du seine volle Bitterkeit schmecken solltest. Und doch — wie muß ich dir, mein Gott, danksagen, daß du sein hoffärtiges Wesen zerbrochen und mit dem Stab Wehe ihn endlich auf die grüne Aue deiner Gnade geleitet, daß du mir armem, gebeugtem Mann den Trost verliehen, ihn fahren zu sehen in Frieden und zu wissen, daß ich ihn einst wiederfinden werde. Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, der Name des Herrn sei gelobet!“
Während ich also betete, trat Hans Ebeling ins Zimmer, und da er sah, daß es aus war mit dem Valentin, setzte er sich mir zur Seite und weinte mit mir, brachte auch die übrige Nacht bei mir zu und tröstete mich mit viel lieblichen Worten.
Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Noch ein Gottesgericht.
Berg und Tal kommen nicht zusammen, aber die Menschen.
Sprichwort.
Fort aus den Augen mir! Birg dich in der Erde!
Marklos ist dein Gebein, dein Blut ist kalt.