Du hast nicht Sehkraft mehr in diesen Augen,
Womit du funkelst! Weg, du grauser Schatten.
Shakespeares Macbeth.
Gegen Morgen schickt der Pfarrherr zu mir und läßt mir ausrichten, ich solle eilends den Krankenkelch und die Hostienbüchse nehmen und mit hinter nach Eibelstadt gehen, ein Soldat sei vom Pferde gestürzt, so daß er nicht mehr aufkomme, und solle das heilige Nachtmahl empfangen. Ich tat also, und wir machten uns eilend auf den Weg.
Der Reiter, welcher den Pfarrherrn gerufen, begleitete uns und erzählte: Als sie heute früh nach ein Uhr durch hiesiges Städtlein gezogen, sei am untern Tor des Torwarts Pförtlein (das erst vor wenigen Tagen mit weißer Farbe war übertüncht worden), offen gestanden und eines Reiters Pferd sei davor scheu geworden, habe sich aufgebäumt und den Reiter abgeworfen, der an dem Torpfosten sich den Kopf zerschellt. Sie hätten ihn mitnehmen müssen, er werde es aber nicht lange mehr treiben, drum habe der Rittmeister nach dem Pfarrherrn geschickt.
In Eibelstadt wurden wir in des Freiherrn von Greifenklau Haus gewiesen: der Reiter lag im Bett, hatte den Kopf umwickelt und ächzte. Als ich die Lichter angezündet und die vasa sacra hergerichtet, wollte ich den Pfarrherrn mit dem Kranken allein lassen und ging mit meinen traurigen Gedanken hinaus auf den freien Platz, der um das Rathaus ist.
In der Mitte des Platzes stand die Fahne aufgesteckt, und viel Kriegsvolk lag und stand umher; ich hatte aber auf nichts acht, sondern gedachte des Hingeschiedenen.
Da trat der Rittmeister zu mir heran, ein großer, stattlicher Mann mit hellgelbem Bart und Haar, wie’s die Schweden haben, grüßte mich freundlich und fragte, ob der Pfarrherr bereits bei dem Kranken sei. Ich erwiderte: „Ja, seit einer Viertelstunde!“ worauf der Rittmeister fortfuhr, da werde er wohl einen hartgesottenen Sünder unter die Hände bekommen haben. Doch habe er seine Schuldigkeit tun wollen und nach dem Pfarrherrn geschickt, da der Feldprediger noch zurück sei, und er unversehens gehört, daß das Städtlein, durch das sie mit anbrechendem Morgen gekommen, evangelischen Glaubens sei, während er mitten in römisch-katholischen Landen zu sein gemeint habe. Wie denn das Städtlein heiße?
„Sommerhausen!“ erwiderte ich. — „Sommerhausen?“ sagte der Rittmeister, als ob er sich auf etwas besänne, „sollte es noch einen Ort dieses Namens geben? Von Sommerhausen hat bis vor fünf Monaten einer unter unserem Regiment gedient.“
„Ist leicht möglich! Denn es sind in diesen Jahren etliche von da unter das Kriegswesen geraten,“ erwiderte ich und warf einen Blick auf die herumliegenden Soldaten, — es waren schwedische Dragoner, was ich jetzt zum erstenmal bemerkte. „Hat er sich rechtschaffen gehalten?“ fragte ich, indem mir das Herz klopfte.