»Drum! Brum! Es wird allen jenen, welche es betrifft, kundgegeben!« Hier pflegte in der Regel der trommelrührende Gyurka eine Pause zu machen und seinen einem Sellerie ähnlichen Kopf zur Seite zu neigen, wie eine traurige Gans, aber so geschickt, daß sein Mund bis an den Rand der in der inneren Tasche seines Dolmans verborgenen Holzflasche kam, aus welcher er einen guten Schluck that und dann mit durchnäßter Kehle donnernd fortfuhr: »Daß, wer die Gemahlin des türkischen Kaisers werden will, sich bis Sonntag bei dem wohledlen Herrn Oberrichter melden soll.«

Darauf entstand natürlich ein Hin- und Hergerede. »Ist der Oberrichter wahnsinnig geworden.«

»Ein unreifer Knabe!« brummten Viele. Die Eingeweihten, welche wußten, was der Zweck sei, schüttelten die Köpfe. »Es wird keine Wirkung haben.« Die Naiven jedoch erstaunten und freuten sich über die Auszeichnung, denn es ist doch schön, daß der türkische Kaiser seine Frau aus Kecskemét wählt. Se. Majestät hat einen guten Geschmack. (Jetzt möge Nagy-Körös reden!) Mädchen und junge Witwen besprachen erstaunt die interessante Neuigkeit. Sie spotteten und überhäuften einander mit mutwilligen Reden fünf Tage lang am Brunnen. Der Plan des Oberrichters streckte wie die Schnecke seine Hörnchen immer weiter hinaus. Es kam die Nachricht, daß der Sultan Mahomet IV. nach Ofen käme, auch erzählte man, daß man ihm die hundert Ochsen und fünfzig Hengste bringe und daß für ihn die Senatoren als Geschenk die vier schönsten Kecskeméter Mädchen auswählen.

»Nur vier?« rief mutwillig die schöne Frau Paul Inokai aus; »armer türkischer Kaiser!«

»Und wenn du noch wüßtest, Schwester Borcsa,« erklärte Mathias Tóth, »daß er zu Hause noch dreihundertundsechsundsechzig Frauen hat.«

»Er muß viel zu thun haben,« warf die geistreiche Frau Georg Ugi ein, »bis er sie alle des Morgens durchprügelt.« (Und sie schnalzte mutwillig mit der Zunge.) Ein heller Weiberverstand, derjenige der Kata Agoston, entdeckte sofort unter den vielen Frauen die unglücklichste. »Was aber kommt auf die Arme, welche am 29. Februar an der Reihe ist, in einem Jahre, wo der Februar nur 28 Tage hat?«

Das konnte wirklich selbst Mathias Tóth nicht beantworten, er brummte etwas, daß bei den Türken ein anderer Kalender sei, aber das hinderte nicht, daß ein bis zum Weinen gehendes Mitleid über die dreihundertsechsundsechzigste Frau sich der Weiber bemächtigte. (O, arme, unglückliche Seele.) Dann gewann die Neugierde die Oberhand, wer wohl die Unverfrorenheit haben wird, sich zu melden? Obwohl es keine Narrheit wäre, zu erfahren, welche die vier schönsten Rosen in dem Blumengarten Kecskeméts seien, welche der Magistrat auswählen würde? Heimlich beschäftigten sich gewiß wieder eitle Herzen mit dem eitlen Gedanken. Aber die Schamhaftigkeit sagte: »Still!« Das Gesicht des Oberrichters nahm auch alsbald eine enttäuschte Miene an. Bis zum Sonntag blieb kein einziges Fischlein an der Angel hängen. Das heißt, daß Frau Fábián mit bemalten Augenbrauen, gesteiften Röcken hinkam. »Rathen Sie, Herr Oberrichter, warum ich kam?« sprach sie mit ihrem Blicke kokettierend.

»Vielleicht kamen Sie um Steuer zu zahlen?«

»Aber gehen Sie doch.« Und mit ihrem Spitzentuche wehte sie Lestyák kokett zu.

»Vielleicht kamen Sie um jemanden anzuklagen?«