Noch einige aufgeblasene Gesichter meldeten sich außer ihr. Panna Nagy aus der Czeglédergasse, Witwe Frau Kemenes, Maria Bán. Einige jagte der Oberrichter aus seinem Zimmer hinaus. »Wirst du dich von hier packen, du Scheusal, wem zum Teufel kannst du gefallen?« Einem blatternarbigen Mädchen sagte er zornig: »Hast du zu Hause keinen Spiegel?«

»Ich habe keinen, wohledler Herr Oberrichter.«

»Dann geh', mein Kind, suche dir irgendwo einen Kübel Wasser, betrachte dich darin und komme zurück, wenn du den Mut hast.«

Alle diese Details erregten in den wohlinformierten Kreisen große Heiterkeit. Am nächsten Tage, Montag, war Senatssitzung und die Senatoren selbst ließen einige bissige Bemerkungen über das resultatlose Unternehmen fallen. »Nun, befindet sich schon jemand im Käfig?«

»Keine einzige ist geeignet,« antwortete Lestyák zornig.

Herr Gabriel Poroßnoki lächelte gemütlich.

»Wir haben uns verrechnet. Es wäre leichter für den Kaiser in Kecskemét vier Mütter zu finden, als vier Odalisken,« sagte der Oberrichter dezidiert. Er war hartnäckig und unbeugsam in Dingen, die er sich einmal in den Kopf gesetzt hat. »Wir können nicht ohne Bouquet gehen.« Und damit schob er den Senatoren den vertraulichen Brief des Ofner Sandschakpaschas hin, der auf die Erkundigung, welches Geschenk Sr. Majestät angenehm wäre, mit orientalischer Dunkelheit erwiderte: »Bring' ihm Pferde, Waffen, Braten und Blumen!«

Die Blumen müssen da sein. Punktum. Freilich meldete sich bisher niemand – weil noch keine Lockspeise ausgesetzt war. Der türkische Sultan ist in der That keine solche. Wer schwärmt für den türkischen Sultan? Wenn es noch irgend ein reicher, strammer Müller aus der Theißgegend wäre, in einem hübschen, fest anliegenden hechtgrauen Dolman, in Stiefeln und wenn er eine legitime Gattin suchen würde. Aber der türkische Sultan! Von dem die Frauen unserer Gegend nur wissen, daß er der Pascha der Paschas ist. Selbst der Spatz würde sich ja nicht in den Hinterhalt locken lassen, in den aus weißen Pferdehaaren gewundenen Ring, wenn zwischen den Strohhalmen nicht rötliche Fruchtkörner hervorscheinen würden. Selbst die kleine Maus würde nicht in die Falle gehen, wenn darin nicht das weiße Speckstück verlockend glänzen würde. Auch den Kecskeméter Mädchen muß man die Lockspeise ausstecken. Und was kann diese Lockspeise sein? Nun, du lieber Himmel, was anders, als – die Kleider. Perlen, Bänder, Spitzen. Auch das ist eine heilige Dreifaltigkeit der Hölle. Von Belzebub angefangen waltet darin jeder Teufel; der eine ruft: »Komm, betrachte mich,« der andere ermutigt: »Probiere mich,« der dritte flüstert: »Sei verdammt meinetwegen.«

Michael Lestyák sandte dazu geeignete Frauen aus, die einen nach Szegedin, die anderen nach Ofen zu den türkischen Kaufleuten, damit sie die schönsten Seidenbrokatstoffe zusammenkaufen: mit Gold- und Silberblumen durchwirkte Stoffe, feine Blondspitzen, rubinenbesetzte Gürtel. Sie wurden beauftragt, alles in der glänzendsten Pracht auszuwählen. Ihr Sinn soll so darauf gerichtet sein, als handelte es sich darum, vier Prinzessinnen für den Ball herauszustaffieren.

Der alte Lestyák selbst ruhte nicht, er setzte sich auf einen Wagen im Auftrage seines Sohnes, um die benachbarten herrschaftlichen Familien aufzusuchen: Die Vays, Fáys und Bárius, für welche er arbeitete (denn er war weit und breit als ein meisterhafter Schneider berühmt), damit er von ihnen für städtische Gemeinzwecke (denn auch sie alle sind Grundbesitzer in Kecskemét) die Kleider nähenden Fräulein erbitte. Überall waren die Herrschaftsdamen, die »Patrone der Stadt«, gnädig. Meister Mathias konnte mit einer ganzen Wagenladung Fräulein nach Hause kommen. Als in großen Kisten auch die Ware ankam und alles bewundernswert war, begann unter der Aufsicht Mathias Lestyáks die fieberhafte Thätigkeit bei Tag und Nacht. Die Scheren, Fingerhüte klapperten, die Nadeln funkelten und nach und nach begannen die vielen Sammet- und Seidenstücke Gestalt zu gewinnen. Auch Hauben wurden verfertigt, für zwei Jungfrauen und zwei Frauen. Man braucht vielleicht nicht zu sagen, daß, so viele Mädchen und Frauen es gab, sie alle von diesen Wunderkleidern bei Tag sprachen und bei Nacht träumten. Es wäre alles im besten Flusse gewesen, wenn der Quardian Bruno und Pater Litkei sich nicht eingemischt hätten. Diesen gefiel nämlich der Plan keineswegs, daß in Kecskemét eine türkische Behörde sein und dies die Stadt gar selbst erbitten solle. »Wer Jehovas Getreuer ist, der soll mit Allah nicht kokettieren. Denn den treulosen Diener verstößt der eine Herr und der andere nimmt ihn nicht auf. Seid auf der Hut, Kecskeméts gottesfürchtige Einwohner.« Sie schimpften, hielten aufreizende Reden gegen den neuen Oberrichter, der mit den Türken gemeinsame Sache macht, indem er ihnen die Stadt des heiligen Nikolaus zuschanzen will, die Jungfrauen raubt und das Seelenheil verkauft.