Das Ungarherz ist ein guter trockener Zündschwamm: jeder Funke fängt. Immer mehr Menschen wurden aufgeregt. Am folgenden Sonntag sammelten sich unruhige Gruppen nach der heiligen Predigt vor dem Stadthause an, welche mit drohenden Handbewegungen schrien: »Nieder mit dem Oberrichter! Nieder mit den Senatoren!« Besonders die Katholiken waren stark irritiert. Die Lutheraner, deren Vorfahren vor mehr als hundert Jahren eingewandert sind und die aus Tolna hiehergekommenen Kalviner, welche in jener Zeit abgesondert in der Friedhofgasse wohnten, liebten ein wenig die mit den protestantischen Siebenbürger Fürsten paktierenden Ungläubigen. Den Protestanten erscheint der Turban ebenso absonderlich wie die Tiara.
Die Herren Poroßnoki und Agoston liefen erregt zum Oberrichter: »Es steht sehr schlecht. Das Volk unten ist empört. Hören Sie das nicht?«
»Ich höre es,« antwortete er gleichmütig.
»Quid tunc? Sollen wir unseren Plan aufgeben?«
Max sah sie spöttisch an. »Die Frage ist, ob er schlechter sei, seitdem der Quardian ihn hintertreibt?«
»Er ist nicht schlechter geworden,« sagte Poroßnoki, »aber wir müssen mit den Eventualitäten rechnen. In zwei Wochen werden die beiden Patres, welche großen Einfluß auf das Volk haben, dasselbe mit Hauen und Hacken gegen uns treiben.«
»Die Frage ist, ob wir das Schicksal Kecskeméts entscheiden oder die Gasse? Ich glaube, wir. Es wird also bleiben, wie wir es beschlossen haben.«
Mit so viel Energie sprach der junge Oberrichter diese Worte aus, daß sie selbst dem eisernen Charakter Poroßnokis imponierten, nur Christoph Agoston hätte gern ein wenig gestritten. »Der Trotz ist nicht immer vernünftig, Herr Oberrichter. Das Übel ist da! Dagegen muß man etwas thun, ehe es uns über den Kopf wächst.«
»Wir thun ja. Sie werden sich nach einer halben Stunde aufs Pferd setzen.«
»Ich?«