»Wie konntest du dies thun?« schrie Poroßnoki, »sei aufrichtig, die Aufrichtigkeit kann deine Sünde mildern.«

Czinna drückte ihre Hände aufs Herz, ihre langen Wimpern schlossen sich. Sie glaubte vor Schande vergehen zu müssen und doch mußte sie es sagen in dieser traurigen Stunde.

»Weil ich liebe, ich liebe Max Lestyák mehr als mein Leben, mehr als diese Stadt. Der Alte hat viertausend Goldstücke für mich bestimmt, damit sein Sohn, der seit dritthalb Jahren mit mir im Brautstand lebt, mich zur Frau nehme. Er hat es bisher nicht gethan, weil wir beide arm sind. Ich habe seinen Worten Glauben geschenkt und ihm den Schlüssel übergeben.«

Ihr bleiches Gesicht rötete sich, aus der weißen Lilie wurde eine Rose, aber nur auf eine halbe Minute.

»Welcher Skandal!« brüllte Herr Agoston. »Wenn ich nur bis an mein Lebensende in Waitzen geblieben wäre.«

»Was dann?« fragte Poroßnoki unruhig.

Der Oberrichter faßte krampfhaft die Sessellehne, die Welt drehte sich im Kreise, vor seinen Augen tanzten die winzigen Buchstaben, die der Schriftführer aufs Papier warf. Seine Lippen biß er blutig: »Nur jetzt noch, nur eine halbe Stunde noch soll ich keine Schwäche zeigen.«

»Und dann?« nahm Czinna das Wort mit ersterbender Stimme. »Ja, dann. Was geschah mir? (Mit ihrer Hand rieb sie ihre marmorglatte Stirn.) Er ging zur Eisentruhe, bei Nacht nahm er den Kaftan mit und nähte dann einen ähnlichen. In der vergangenen Nacht nahmen ihn die Besteller mit.«

»Alles ist klar,« murmelte Poroßnoki. »Er war ein stolzer Meister und glaubte, wollte es zeigen, daß beide gleich sind. Und heute zog er ihn an, damit er die Wirkung seines Prachtwerkes genieße.«

»Und wer waren die Besteller?« frug der Szegediner Börcsök. Er dachte bei sich: »Ob es nicht die Unserigen waren?«