Oder fortgehn, sagte er sich beklommen; sich von neuem versuchen und in die Welt schleudern wie ein Stein ins Wasser ... Müßte man sich nur nicht entschließen! Könnte ich mich, ohne zu wissen wie, irgendwo in der Welt finden und nichts haben als vor mir den Tag, o Gott! was wäre das für ein Tag! Es geschehe mir als Schicksal oder Zufall, — ich nehme alles an; aber selbst wollen ist furchtbar.

— Reise ich oder bleibe ich?

Ich gehe aus, entschloß er sich endlich (wenigstens etwas tun! was immer!), ein bißchen hinaus, zögerte er bei der Türe, den Abend genießen, nötigte er sich; aber „bleib“, sprechen Lampe, Bett, Lehnstuhl, Langweile, „wozu gehn? Gehn ist so anstrengend; Bleiben so einfach; Gehn so verzweifelt; Bleiben so verzweifelt; bleib!“ Nein, heute nicht, entschied er sich mit Gewalt, und ging. „Bleib,“ sprechen die entflammten Gassen, „wir stören dich nicht mehr; du hast uns so oft durchmessen, daß du uns nicht mehr siehst.“ Auch ihr seht mich gar nicht, wandte er ein, und eure Fenster blinken mir nicht mißtrauisch zu wie ein Blick, lächelnd wie ein Blick, durchsichtig wie ein Blick des Zufalls. Ich gehe täglich hier: wir sind einander fremd geworden. „Ja, nach so vielen Jahren!“

Růžička nahm, sich zerstreut erholend, Zuflucht zu einem Kaffeehaus, froh, daß er so verloren war in der Zersplitterung von Lichtern und Stimmen, daß er sich selber entschwand in der Menge, daß die Spiegel strahlten und die Gläser klirrten; er schrieb mit dem Finger ein Fragezeichen auf den Tisch und entdeckte in der Marmorplatte interessante Adergänge, ein Zufallsnetz, zahllose Bahnen ohne Ziel. — Verreise ich oder bleibe ich? Augen! wer sieht mich da an?

Mädchen, lachte sein Blick, was willst du von mir? Glatte Augen glitten ab, flüchteten hinter die Lider und blickten süß, dunkel nirgendwohin. Nichts, blasses Gesichtchen unter schwarzem Hütchen, Spielzeug aus Elfenbein, die jungen Hände spielen auf dem Schoße mit nichts. Das große Schwarze ist die Mama und besieht die Modeblätter. Die grauen Augen fliegen verstohlen herüber, fliehen, bleiben nicht da; anmutig sind die Lider der Augen, gesenkte Lider, anmutige Trauer, Liebe und Musik, Abend, Frage und nichts, lieblich der Augen Blick, Freude, Kleider, Musik und Frage, liebliches Lieben, lieblicher Frühling, Veilchen auf der Straße, rosige Blüte, rosiges Lächeln, lieblicher Blick, und in die Augen! gerade in die Augen, stark und direkt, kurz und fragend lieblicher Blick! Die glatten Wangen sind rosig erglüht. Schön sind weiße und errötete Wangen; schön und traurig die Haare; traurig und schlank die Hände im Schoß, auf schwarzem Trauerrock.

„Genug,“ baten die grauen Augen, „soviel Lob, mein Gott, — wohin soll ich jetzt mit den Augen, mit Lidern und Händen? Sehen Sie mich nicht an, ich lasse das Glas fallen; um keinen Preis sehe ich Sie mehr an.“

Schlanke Hände, dachte er gerührt, wie einer Geigerin Hände; ach, welch ein Tremolo, gegenstandsloses Weinen, Lied, welches endet und nicht; ob ich es jemals vernehme, dies bange und feine Lied? Diese feine, kindlich rauhe Stimme?

„Gott, das nicht! Was würde ich Ihnen sagen? Ich kann nicht bis fünf zählen. Wer sind Sie? Warum schauen Sie so? Warum schauen Sie nicht?“

„Wenn ich sehe, denke ich an die Leute ringsum, an Sie, an Ihren Atem, an die Liebe, an alles, was ich dir sagen möchte, — ich weiß nicht, woran ich denke, wenn ich schaue; aber wenn ich nicht schaue, denke ich an Sie, an alles, was ich nicht sehe, an mich selbst, an den glücklichen Zufall, und hauptsächlich an dich.“

„Hören Sie auf! Hören Sie auf!“