„Welchen immer,“ sagte der Mensch und schwieg.
Die Leute auf dem Gange erwachten und begannen herumzugehn. Das zahnlose Mäderl war jetzt in den Armen der Mutter eingeschlafen, verloren unter dem Shawl. Etwas Leben strömte durch den Gang; es war ziellos und unordentlich, aber es regte sich und vermochte sich zu erhalten.
„Was haben Sie mit diesen Göttern gemeint?“ fragte Záruba plötzlich laut.
„Sie waren schön,“ sagte der Mensch; „es genügte bloß Glück oder Zufall, um sie zu erblicken und dadurch selbst ein wenig ein Gott zu werden. Ich denke mir also: wunderlich ist das Glück, so überaus seltsam ist Schönheit und Glück, daß es nur durch Wunder und Zufall geschehen kann. Aber wer wartet, der wartet auf etwas, das geschehen muß; etwas muß kommen, das sein Warten beendet. Sehen Sie, jeder wartet ..., auch Sie; wir sind vom Wege der Freude abgekommen, um große Dinge zu erwarten. Ach, warten ist eine große Spannung des Lebens, fast wie der Glaube. Aber je mehr wir warten — — was immer auch komme, wir werden, wir werden erlöst werden. Schauen Sie, es ist schon Tag.“
In den Bahnhof wälzte sich ein Menschenstrom herein mit Lachen, Husten und Geschrei. Wie ein großer Besen fuhr der Lärm durch den Gang, fegte die angesetzte Stille fort und blies die verstaubten Stimmen an. Die Passagiere erhoben sich von den Bänken, schüttelten die Spinnweben des Schlummers ab und blickten einander ohne Mißbehagen an, verbündet durch die gemeinsame Nacht. Aber draußen, hinter den Fenstern, dämmerte der Tag.
Der Mensch, der gesprochen hatte, verlor sich Záruba zwischen den Leuten. Eine neue Schar, Fahrkarten, Geschrei und Glockenzeichen — der schwarze und lärmende Zug fuhr in den Bahnhof ein, verschlang die Schar, zischte, fauchte und fuhr dem Ziele zu. Gott, nur schnell, dachte Záruba, noch ist nicht alles verloren: noch bleibt Hoffnung.
HILFE!
Er wurde gewahr, daß er sich an einem weiten, mit schönen Bäumen bewachsenen Hange befand. Das ist ja Frankreich, erriet er plötzlich, ich bin wohl in einen falschen Zug eingestiegen. Es ist wirklich ein seltsamer Zug, — lauter fremde Gesichter, die über ihn lachen, als wäre er schlecht gekleidet; und der Zug fährt wild, daß die Fenster klirren.
Brož fuhr aus dem Traum empor. Jemand klopfte ans Fenster.
„Was ist?“ schrie Brož mit verklebter Zunge.