„Deploratus ab uxore, filia, septem
nepotibus decemve
pronepotibus.
Um ihn trauern seine Gattin,
seine Tochter, seine sieben Enkel
und zehn Urenkel.“
In der Nähe des hier beschriebenen Grabdenkmals liegen drei Verwandte des Dichters, seine Tochter Henriette Döring geborene Kortum, geboren den 1. März 1770, gestorben 5. Februar 1839, deren Schwiegersohn Constantin Brinkmann, geboren 9. März 1796, gestorben 9. Juni 1841, und dessen gleichnamiger Sohn, also ein Urenkel Kortums, Constantin Brinkmann, geboren 21. November 1821, der als junger Apotheker eines jähen, unerwarteten Todes, wahrscheinlich durch Gift, gestorben ist. Es heißt von ihm auf der Grabinschrift nicht ohne Phrasenschwall: „Er starb am 21. April 1851, ein früh gefällter, lebenskräftiger Baum. Geistesverwandt mit seinem Urgroßvater Dr. Kortum, dem bekannten Gelehrten, dessen späte Lebensjahre der hoffnungsvolle Enkel noch erheiterte, ruht er nun an dessen Brust. Das Grabmal des lichtvollen Vorfahren überschattet ihn, der Geist desselben geleite ihn zu den Thoren der ewigen Auferstehung!“
Nach Darlegung der äußeren Lebensumstände des Jobsiadendichters wollen wir nunmehr denselben als Schriftsteller betrachten, und dabei seine Versuche und Leistungen auf dem Gebiete der Poesie von seiner anderweiten literarischen Thätigkeit trennen.
Doctor C. A. Kortum begann seine fruchtbare schriftstellerische Thätigkeit bereits früh und schrieb über die verschiedensten, heterogensten Materien. Die meisten Arbeiten fallen in die Zeit von 1775 bis 1790, sind aber bis auf die Jobsiade so ziemlich alle der Vergessenheit anheimgefallen, obschon sich nicht läugnen läßt, daß manche derselben in der damaligen Zeit anregend und fördernd gewirkt haben. In den Jahren 1776 und 1777 erschienen in Bremen: „Der Kaffee und seine Stellvertreter“; — „Der Thee und seine Stellvertreter“; — „Grundsätze der Bienenzucht.“ Ueber letzteres Werkchen äußert sich der Verfasser in seinen „Bochumer Nachrichten“ etwas ärgerlich wie folgt:
„Einzelne Bürger treiben auch Bienenzucht, doch mehr zum Vergnügen als Nutzen. Es könnte dieser Nahrungszweig sehr verbessert und verdienstlich gemacht werden. Ich habe durch meine im Jahre 1776 herausgegebenen ‚Grundsätze der Bienenzucht‘ Anlaß genug dazu gegeben, aber es fehlt an gutem Willen und höherer Ermunterung.“
In das medicinisch-pädagogische Gebiet fällt Kortums „Märtyrer der Mode“; derselbe erschien 1778 anonym zu Wesel bei F. J. Röder. Es ist dies eine kleine, durch den weiten Druck auf 75 Seiten ausgereckte Satire auf die damals und noch jetzt grassirenden Modethorheiten und Lebensgewohnheiten vornehmer Stände, z. B. das Schnüren, Ammenwesen, Erziehung oder besser Vernachlässigung der Kinder durch fremdes Personal u. dgl. Der arme Märtyrer all dieser Moden, der von den ersten Anfängen seines Daseins bis zum Grabe bei all diesen Modekrankheiten schlecht genug wegkommt, erzählt sein Elend selbst. Der Verfasser hat dem Schriftchen nicht ohne Humor kurz und gut folgende „Vorrede an die Leser“ vorgesetzt:
„Es wäre zwar Mode, Ihnen erst ein Compliment zu machen und dann zu sagen, was vor hinreichende Gründe ich gehabt habe, diese Geschichte herauszugeben. Allein, zu dem ersten bin ich nicht aufgelegt, und das andere werden Sie schon selbst am Ende der Geschichte lesen. B-ch-m, 1778.“
Durch die letzte Bezeichnung verräth sich der Verfasser zur Genüge; nebenbei gesagt füllt diese bündige Vorrede zwei ganze Seiten.
Im Jahre 1779 erschien seine oben schon berührte populär-wissenschaftlich gehaltene „Anweisung wie man sich vor alle ansteckende Krankheiten verwahren könne“, und 1782 im Verlage der Helwingischen Universitäts-Buchhandlung zu Duisburg die von Lavater angeregte Schrift: „Anfangsgründe der Entzifferungskunst deutscher Zifferschriften.“ Beide sind je 114 Seiten stark; die erstere ist für den damaligen Stand der medizinischen Wissenschaft bezeichnend und die letztere ist ebenfalls noch jetzt lesenswerth, sehr instruktiv und verräth eine große Uebung und Sicherheit in der immerhin geistig anregenden Spielerei, Ziffer- und Zeichenschriften zu enträthseln. — 1789 erschien zu Duisburg die „Verteidigung der Alchemie“, welche bereits im Jahre 1791 in Aachen eine zweite Auflage (oder einen Nachdruck) erlebte. Einen glücklichen Griff that endlich der „Arznei-Doctor“, wie er sich meistens betitelt, in seiner „Skizze einer Zeit- und Literaturgeschichte der Arzneikunst von ihrem Ursprunge bis zum Anfange des 19. Jahrhunderts“, welche 1809 zu Unna erschien und 1819 eine zweite Auflage erlebte.