Die Bilder hat der Verfasser offenbar selbst entworfen; übrigens sind die kleinen, egal großen, mit Eckstein, Schüppen und Herz versehenen Bildchen mit den Beischriften Hogier, Hector, Judith so wie die inschriftslosen Bilder von dem jungen Baron und Esther ursprünglich Clichés von damaligen rohen Spielkarten.

Der Beifall, den die Jobsiade im großen Publikum fand, wurde anfangs von den Kritikern und Recensenten nicht allgemein getheilt; überhaupt ist Kortum, wie viele Stellen der Jobsiade zeigen, auf diese Herren herzlich schlecht zu sprechen. Namentlich wußte ein Recensent in der „Allgemeinen Deutschen Bibliothek“, (LIV. 72 ff.) nicht Worte genug zu finden, um „diese Mißgeburt, diesen Bastard der Komik, diese heillose Reimerei“ gebührend an den Pranger zu stellen. Alles sei darin zu finden, heißt es, nur nicht Witz, Ironie, scherzhafte Laune, Satire und treffende Charakteristik; überhaupt sei eine gröblichere, pöbelhaftere Darstellung in der ganzen deutschen Literatur nicht zu entdecken. Wahrscheinlich war dieser grimmige Recensent ein Berufsgenosse des verunglückten Studiosus Hieronimus, der durch solche maßlose und einseitige Kritik den seinem Stande vermeintlich angethanen Schimpf recht kräftig auswetzen wollte. Das erste Kapitel des zweiten Theiles, welches als Vorrede anzusehen ist, ergeht sich ausführlich über die Aufnahme, die der erste Theil gefunden. Eine sehr schmeichelhafte Besprechung findet sich im damaligen „Reichsanzeiger“, Jahrgang 1787, Nr. 123, Seite 1331. Wie Alles, was über das gewohnte alltägliche Geleise hinausgeht, sich nicht ohne Widerspruch Bahn bricht, so errang auch die Jobsiade, welche so ganz von dem hergebrachten Genre der zünftigen Poesie abwich, den allgemeinen Beifall nicht ohne Anfeindung. Gerade die günstige Aufnahme aber, welche der erste Theil trotzdem fand, war die Veranlassung, daß der Dichter die weiteren Theile folgen ließ; vielleicht mochte er, älter und ruhiger geworden, dabei auch beabsichtigen, Manches wieder gut zu machen, was er im ersten Theile am Stande der Theologen gesündigt hatte.

Ueber seine Absicht bei der Abfassung der Jobsiade sagt der Dichter im ersten Kapitel des dritten Theiles, er habe ein Scherflein dazu beitragen wollen, verdrießliche, trübe Stunden zu verjagen, habe nebenbei nützliche Winke und Kleinigkeiten zu verbreiten gesucht, „und wo ich Dummheit und Bosheit fand, gab ich wol ’nen Hieb en passant“. Trotz mancher anstößigen Stellen ist die Jobsiade im Grunde moralisch und moralisirend. Kortum will durch seine Satire bessern; er moquirt sich über Leben und Leute, weil er sie anders wünscht; er sucht dem spießbürgerlich genügsamen Philisterthum, welches ihn langweilte, wie dem sich spreizenden Pedantenthum, das ihn ärgerte, den Garaus dadurch zu machen, daß er beide in ihrer Lächerlichkeit hinstellte; seine komische Muse ist die eines launigen Sittenrichters, der durch beißenden Spott bessern will. Wenn er dabei oft zu unverblümt die nackte Wahrheit sagt, so muß man bedenken, daß die Jobsiade keine Lectüre für junge Mädchen ist und sein soll, und ferner seinen Stand und sein Zeitalter berücksichtigen. Seinen Stand, denn der Beruf des Arztes bringt es oft mit sich, daß er über delikate Verhältnisse kein Blatt vor den Mund nimmt, und sein Zeitalter, denn das vorige Jahrhundert war allerdings nicht prüde, aber trotzdem wol moralisch gesunder und besser wie die zimperlich thuende, blasirte Gegenwart.

Mag der gelehrte, ideale Aesthetiker die Jobsiade kritisiren, weil ihr derber Witz nicht salonfähig ist, mag der Moralist mit Recht Manches daran auszusetzen haben: die Jobsiade ist ein Volksbuch geworden, sie ist das versifizirte Lesebuch, in dem man Alles finden kann, und jedes andere Volk würde auf solch’ reiches Produkt der Komik stolz sein; hat doch der Candidat Jobs, der unter allgemeinem Schütteln des Kopfes von dem gelahrten Consistorio in Schwaben examinirt wurde, selbst in Amerika vor der Yankee-Kritik sein Examen ruhmvoll bestanden. In amerikanisch-englischen Knittelversen erschien er als:

„The life, opinions, actions and fate

Of Hieronimus Jobs, the candidate,

And how he whilome won great renown

And died as night-watch in Schildebourg town.“

Ferner hat das Buch der Malerei Stoff zu mancher bedeutenden Kunstleistung gegeben; es sei hier nur an die drei großen Oelgemälde des Malers Hasenclever erinnert „Jobs im Examen“, „Jobs als Schulmeister“, und „Jobs als Nachtwächter“, die sich sämmtlich unter Nr. 33, 34 und 35 in der Gemälde-Galerie des Herrn Ravené, Wallstraße 93, zu Berlin befinden.