Die Insurgenten mußten uns heimlich gefolgt sein, hatten es aber nicht gewagt, uns im Walde anzugreifen. Dort in der guten Deckung der ungeheuren Stämme wäre es uns mit unseren ausgezeichneten Gewehren ein leichtes gewesen, selbst mit einer bedeutenden Übermacht den Kampf aufzunehmen. Hier aber, auf freier Wiese konnten uns selbst unsere guten Waffen nicht viel helfen. Immerhin aber verloren wir den Mut nicht und nahmen uns die roten und blauen Gewänder, die hinter Sträuchern und Bäumen sichtbar wurden, gründlich aufs Korn und mancher der hageren, braunen Gesellen mußte an die Treffsicherheit österreichischer Alpensöhne glauben.

Aber auch in unseren Reihen wurde es lichter. Die Kugeln aus den langen Flinten der Insurgenten ließen manches Gewehr in den Händen unserer Kameraden verstummen. Schon wagte es da und dort einer der verwegenen Kerle, aus seiner Deckung vorzubrechen, um mit dem blanken Handschar an dem Leibe eines unserer Gefallenen sein Mütchen zu kühlen; aber vorläufig war das noch zu früh, jeder dieser Versuche mußte mit dem Tode bezahlt werden.

Doch die Lücken, die in unseren Reihen entstanden, konnten uns gefährlich werden und nach Krebsenart rückwärts kriechend, dabei aber immer gegen die Angreifer feuernd, zogen wir uns auf die Eiche zurück.

Da lagen und knieten und standen wir nun im Kreise um diese herum, ununterbrochen Kugel auf Kugel den Angreifern entgegensendend.

Oberleutnant von Steindl hatte sich in halb hockender Stellung an den Stamm der Eiche gelehnt und mit beiden Händen seinen Revolver haltend, suchte er sich das Ziel für seine Schüsse.

Plötzlich aber rief er aus: „Hol’s der Teufel, das Zeug taugt nichts!“

Und damit warf er seinen Revolver weg und sprang vor, um sich von einem der Gefallenen Gewehr und Patronen zu holen.

Es war das eines jener kühnen, todesverachtenden Stücklein seitens unserer Offiziere, an denen gerade die Geschichte des bosnischen Feldzuges so außerordentlich reich ist.

Tatsächlich erreichte der Oberleutnant auch ein Gewehr und nun richtete er sich frei empor, zielte und schoß und traf. Aber fast zugleich mit dem baumlangen Bosniaken, den er sich aufs Korn genommen hatte, sank auch er von einer Feindeskugel getroffen zu Boden.

In diesem Augenblicke hatte ich vollständig vergessen, daß der Gefallene der Oberleutnant von Steindl, Heris Gatte und mein persönlicher Feind war. Ein tapferer Offizier war’s, ein Kamerad, und ich mußte mich seiner annehmen.