Ich hatte an der Eiche gekniet; nun warf ich mich nieder und kroch auf dem Bauche zum Oberleutnant.

„Herr Oberleutnant, sind Sie schwer verwundet?“

Er hatte die Hand im Tuche der blauen Bluse auf der Brust festgekrallt und ächzte: „Mit mir ist’s aus!“

Er hatte die Augen geschlossen gehabt, nun öffnete er sie und drehte den Kopf nach mir. Für einen Augenblick sah ich eine staunende Frage in seinen Augen, dann aber glitt es wie ein tiefes, tiefes Weh über seine Züge.

„Sie, Binder?“ sagte er leise.

„Kann ich etwas für Sie tun, Herr Oberleutnant?“ fragte ich.

Er reichte mir die Hand: „Dank schön, Kamerad! – Ich bin fertig! Sagen Sie meiner Frau, ich, der Lump, bin als ehrlicher Soldat gestorben.“

Nur stockend und stöhnend hatte er diese Worte herausgebracht, und in den paar Worten lag so eine Bitternis, daß mir mit einem Schlage der ganze Jammer der Ehe bewußt wurde, die ihn und Heri verbunden hatte.

Und merkwürdig: jetzt dachte ich nicht an die Frau, sondern nur an den Mann und ein allgewaltiges Mitleid, das alles auslöschte, was mir dieser Mann getan, nahm mein ganzes Herz ein und ich sagte: „Herr Oberleutnant, Sie müssen leben, für Ihre Kinder müssen Sie leben!“

Da quoll ein feuchter Schimmer in seine Augen, fester umschloß seine Hand die meine, und mit brechender Stimme flüsterte er: „Heri soll meinen Kindern nichts sagen, wie wir gelebt. Sagen Sie’s ihr, Ihren Wunsch erfüllt sie, sie hat Sie ja noch immer lieb – lieber als mich.“