Es war am Faschingmontag. Draußen herrschte Tauwetter und durch die noch mit tiefem Schnee bedeckte Natur ging es wie erstes Frühlingsahnen.

Ich klopfte eben mit dem zweikantigen Hammer an einem Mühlensteine umher, als ich in der großen Mühlenstube nebenan, von der eine kleine Stiege ins Werk hinunterführte, Stimmen vernahm, die immer lauter wurden. Die eine schien mir die Stimme Mariens zu sein und das machte mich neugierig, so daß ich zur Tür emporschlich und horchte.

Es war wirklich die Stimme der Oberleitnerin und ich hörte, wie sie eben rief: „Bartel, das kann nit dein Ernst sein, daß du mich und meine Kinder wie ein Bettelvolk von Haus zu Haus in die Einlag gehen laßt. Als Dienstmagd nimmt mich mit zwei Kindern ja auch niemand auf, schon gar nit jetzt, wo ich ja selber nit gesund bin. Ich kann mich seit dem letzten Kind noch immer nicht erholen. Du brauchst ja eh wen, der dir die Wirtschaft führt, und es wird doch gescheiter sein, wenn deine Schwester Wirtschafterin ist, statt eine fremde Person. Bartel, überleg dir’s!“

„Da gibt’s kein Überlegen,“ sagte er kalt. „Ich werd mir nit ein paar Leut ins Haus nehmen, die keine Kraft zur Arbeit, aber allweil hungrige Mägen haben.“

„Kann ich dafür, daß ich so heruntergekommen bin?“ entgegnete Marie. „Du selbst hast mich ja an den Lumpen verkuppelt. Ich hätt schon auf den Heinrich gewartet. Aber du hast keine Ruh gegeben und hast die Mutter so lange beredet und hast auch mir selber so lange zugeredet, bis ich in meiner Verzagtheit nachgegeben hab.“

„Laß mich aus mit die alten Geschichten und halt mich nit länger auf. Es bleibt bei dem, was ich gesagt hab und damit basta!“

Und wieder die Stimme Maries in angstvollem Flehen: „Ich bitt dich, Bartel, sei barmherzig. Denk an unsere Mutter. Ich arbeite ja, was in meinen Kräften steht, und ich begehre keinen Kreuzer Lohn dafür. Nur dableiben können! Schau doch das arme Kind da an! Könntest du’s übers Herz bringen, daß es mit mir betteln gehen sollte? Ich bitt dich, Bartel, so viel Mitleid mußt du ja doch haben.“

Ich hörte, wie die Stimme Maries in Schluchzen erstickte. Aber da klang auch schon wieder Bartels Stimme hart und kalt wie Metall: „Ich hab geredt. Und die Winslerei mag ich schon gar nit. Schau, daß du weiterkommst mit deinem Bankert.“

Das Wort traf mich wie ein Peitschenhieb und schon wollte ich in die Stube hineinstürmen, da hörte ich’s drinnen scharf und schrill: „Du, einen Bankert nennst du mein Kind nicht! Braver sind wir alle zwei als du. Ich weiß schon, warum du uns nit dabehalten willst! Weil du, so oft du uns anschaust, an deine Schlechtigkeit denken müßtest. Ja, ja, schau mich so wild an, wie du willst, jetzt ist alles gleich. Noch einmal sag ich’s: an deine Schlechtigkeit. Ums Geld hast du mich gebracht und darum hab ich den Oberleitner heiraten müssen, der, wenn er auch ein miserabler Lump war, gegen dich noch alleweil ein Ehrenmann gewesen ist. Du, Bartel, du bist der schlechteste Kerl auf dieser Welt.“