Auf diese in sinnlosem Zorn hervorgestoßenen Worte hörte ich einen dumpfen Schlag und dann fing das Kind zu schreien an.
In mir zitterte jeder Nerv, aber noch hielt ich an mich. Wie ich es zustande brachte, weiß ich heute noch nicht.
Gleich darauf aber vernahm ich wieder Maries Stimme: „Schlag zu, schlag zu, erschlag mich, wär’ nicht dein schlechtestes Stück!“ und fast gleichzeitig einen gellenden Aufschrei des Kindes.
Nun war’s mit meiner Selbstbeherrschung zu Ende. Ich riß die Türe auf und da sah ich Bartl auf seiner Schwester knien und sie schäumend vor Wut mit den Fäusten bearbeiten. Daneben aber an der Tischkante lag das Kind regungslos und aus einer Kopfwunde rann Blut.
Mein Kind war das! Mein Kind erschlagen!
Vor meinen Augen tanzten rote Feuer, und in der nächsten Sekunde sauste mein scharfkantiger Werkhammer mit aller Wucht, deren ich fähig war, auf Bartels Kopf hernieder, die Schädeldecke durchschmetternd.
So bin ich zum Mörder geworden.
Aber ich war merkwürdig still. Kein Entsetzen über meine eigene Tat stieg in mir auf, ja, es war mir, als sei ich von etwas erlöst, was immer und immer meine Brust gepreßt hatte. Ich glaube, ich habe wirklich aufgeatmet, als ich den Hammer nach einiger Zeit fallen ließ.
Vor mir lag ein toter Mann und neben ihm kniete Marie und sah mich mit entsetzensstarren Augen an, unfähig, ein Wort über die Lippen zu bringen und des eigenen Kindes vergessend, das noch immer bewußtlos am Tischfuße lag.
In mir aber war’s klar. Das hatte kommen müssen, dazu war ich also bestimmt gewesen. So sollte also auch das folgende seinen gesetzmäßigen Lauf nehmen. Ich nickte Marie zu und verließ die Stube.