„Ja, in die Stadt ins Kloster zu den grauen Schwestern. Der höheren Ausbildung wegen, meinen Papa und Mama.“

„Und du freust dich darauf?“

„Nein. Das heißt: auf das Lernen freue ich mich schon, aber auf das andere alles nicht! Wie oft werde ich an unseren schönen Garten da zurückdenken und wie wir zwei da so lustig waren. Bei den Klosterschwestern, da heißt’s schön still zwei und zwei spazieren gehen, da gibt’s kein Laufen, kein Klettern und Springen und denk dir, lange Röcke soll ich dann auch schon tragen!“

Sie wußte noch von einer ganzen Menge von Dingen zu erzählen, die ihr nicht paßten; aber ich hörte nur mit halbem Ohre darauf hin und als sie endlich schloß: „Ja, Heini, so ist’s und du mußt dich an den Gedanken gewöhnen so wie ich!“ da platzte ich plötzlich heraus: „Und ich gehe auch mit in die Stadt!“

Sie sah mich eine Weile an, ob es mir Ernst sei, oder ob ich Scherz mache und dann sagte sie: „Du willst mit in die Stadt? Was wolltest du denn dort?“

„Studieren!“

„Ja, aber du, Heini, das kostet viel Geld. Papa muß auch für mich viel zahlen! Woher wolltest du denn das Geld nehmen?“

Wie mir da augenblicklich der Gedanke kam, weiß ich heute noch nicht, aber schlagfertig erwiderte ich: „Wenn dein Vater für mich bitten tät, wer weiß, ob mich nicht der Herr Graf studieren ließe. Der hat doch Geld genug!“

Heri heftete ihre dunklen Augen in die Ferne, dann fuhr sie plötzlich mit einem Ruck herum und rief: „Du, Heini, das muß gehen. Ich will den Papa bitten, daß er für dich bei dem Herrn Grafen ein gutes Wort einlegt. Und weißt: der Herr Graf hält große Stücke auf den Papa und wenn der etwas sagt, dann geschieht es auch.“

Und im nächsten Augenblicke hatte sie auch schon das Angenehme für sich selbst herausgefunden und sie klatschte in die Hände und jubelte: „Heini, das ist ein vorzüglicher Gedanke. Weißt du: die Eltern haben mir versprochen, daß ich alle Sonntage zu Tante Berta kommen darf und da kommst du dann auch hin und wir können wenigstens jeden Sonntag beisammen sein. Tante Berta ist sehr nett und hat bei ihrem Haus auch einen netten Garten, freilich viel kleiner als unserer da, aber ein Garten ist’s doch. Ja, Heini, du mußt mit. Ganz gewiß, und ich, wenn der Papa nicht gleich will, ich werde schon mit Betteln nicht nachlassen. Ich setz’ es durch!“