Und sie setzte es durch. Über Verwendung des Oberforstverwalters erklärte sich der Graf bereit, die Kosten für meine Unterbringung in dem Studentenheim der Stadt zu tragen. Für die Bücher versprach der Oberforstverwalter zu sorgen und das andere, Kleider und weitere Notwendigkeiten, konnte schon meine Mutter bestreiten.

Es war ein herrlicher Septembertag, als ich mit meiner Mutter zur Mühle hinabschritt, um mich von der Müllerin und dem Marieli zu verabschieden.

Die Müllerin saß in der großen Stube, von der einige Stufen hinaufführten zur Tür in das Mühlenwerk, und hatte einen gewaltigen Stoß Wäsche zum Ausbessern vor sich. Sogleich aber schob sie ihn zur Seite und den Zweck unseres Kommens erratend, sagte sie: „Also jetzt wird’s Ernst.“ Und mit diesen Worten reichte sie nicht nur der Mutter, sondern auch mir die Hand. Letzteres hatte sie noch nie getan und ich fühlte mich deshalb jetzt sehr gehoben. Nun galt ich schon als Erwachsener.

Und die Müllerin wollte zur Feier des Abschieds sogar etwas Besonderes tun, nämlich Tee kochen.

„Das Zuschaun wird dich wohl nit interessieren, Heini,“ meinte sie, „such derweil das Marieli auf. Sie wird im Garten sein.“

So war sie nun gekommen, die Stunde, die ich schon seit Wochen so arg gefürchtet hatte. Aber ich nahm allen Mut zusammen und ging in den Garten hinaus.

Still lag er da im weichen, lauen Sonnenschein. Keine Glut strömte von den sauber gepflegten weißen Kieswegen aus, nur sanfte, wohlige Wärme. An den Seiten der dunkelgrünen Buchseinfassung leuchtete das Tiefrot der Georginen und dazwischen schimmerten in blassen, vornehmen Farben die Astern. Darüber lagen flimmernde, zarte Gewebe, die Sommerfäden, und ließen in dem sanften Lufthauch ihre Enden wie silberne Wimpel wehen.

Von dem gelben Hauch des Welkens umwittert, lag die Bohnenlaube vor mir, und da meine Blicke das Marieli sonst nirgends fanden, schritt ich auf die Laube zu.

Ich hatte wider Willen meine Schritte verlangsamt und war auf den Zehenspitzen gegangen und deshalb hatte auch Marieli mein Kommen gar nicht gehört. Sie hatte beide Arme auf den Tisch gelegt, den Kopf darauf gesenkt und schluchzte, daß es mir das Herz zusammenzog.

Eine Weile stand ich regungslos und überlegte, ob ich mich melden oder heimlich wieder davonschleichen sollte. Am liebsten hätte ich eigentlich letzteres getan, aber ich schämte mich und dann dachte ich daran, daß ich mich wohl auch vor der Müllerin und der Mutter nicht verantworten konnte.