So nahm ich denn allen Mut zusammen und rief leise: „Marieli!“ Sie hörte mich nicht, denn ich hatte ihren Namen nur so hervorgewürgt und er klang zu leise und heiser.
Da tat ich einen festen Schritt auf sie zu und rief lauter: „Du, Marieli!“
Nun hob sie jäh ihr tränenüberströmtes Gesichtchen empor und Erschrecken und Glück zugleich malte sich auf ihren Mienen.
Ich konnte mir zwar denken, warum sie weine, ein inneres Gefühl sagte es mir; trotzdem aber fragte ich: „Warum weinst du denn, Marieli?“
Sie sah mich groß an, als wollte sie sagen, wie ich denn so fragen könne, dann aber senkte sie das blonde Köpfchen und erwiderte leise: „Ich hab’ dich und deine Mutter kommen sehen.“
Ich wußte nichts zu sagen und es entstand eine lange Pause, in der ich mich vergebens nach einem erlösenden Worte abquälte. Wie sie so dasaß mit ihren lieben, nun so nassen und traurigen Augen, fühlte ich plötzlich wieder, wie lieb ich sie hatte und wie schwer es mir sein würde, sie nun auf Monate nicht mehr zu sehen. Denn wenn mich auch Heri ganz mit Beschlag belegt hatte, dann und wann hatte ich doch ein Stündchen mit Marieli verplaudert und gespielt und jedesmal hatte ich die wundersame Ruhe gefühlt, die von ihrem Wesen auf das meine überströmte.
So stand ich hilflos vor ihr und meine Seele bebte in Leid und Wehmut.
„Fahrst morgen schon fort?“ unterbrach sie endlich das Schweigen.
„Nein, übermorgen in der Frühe fahren wir fort.“
„Du und deine Mutter?“