„Nein, der Herr Oberforstverwalter und die Frau und die Heri. Und da nehmen sie mich auch gleich mit.“

Auf diese Erklärung senkte Marieli wieder den Kopf und es entstand wieder ein Schweigen zwischen uns. Ich sah, wie sich ihr Gesichtchen immer tiefer und tiefer zur Brust hinabneigte und wie plötzlich ein Zittern durch ihren Körper lief. Ich wußte, nein, ich ahnte nur, was in ihr vorgehen mochte, und quälte mich neuerdings vergebens, ihr ein liebes, beschwichtigendes Wort zu sagen. Aber als ich auch diesmal keines fand, und plötzlich ihr leises Schluchzen an mein Ohr drang, da nahm ich sie in heißer, inniger Aufwallung in die Arme, drückte ihren Kopf an meine Wange und flüsterte: „Marieli, nicht weinen, ich bitt’ dich, nicht weinen!“

Und als sie nun ruhiger wurde und dann ihre Augen zu mir aufschlug, die im Schimmer taufeuchter Veilchen erglänzten, da kam es plötzlich über mich so seltsam, so fremd und stark und ich küßte sie.

Heri hatte mich schon manches Mal geküßt, wenn sie gerade in toller Laune gewesen war oder ein Unrecht gutzumachen hatte, das ihr stürmischer Sinn an mir begangen hatte, aber außer einem Gefühl augenblicklicher Verwirrung hatten diese Küsse nichts in mir bewirkt. Nun ich aber selbst und zum ersten Male Marieli geküßt hatte, war es mir, als sei etwas Großes geschehen, etwas, das nie und nie mehr aus meinem Leben zu schaffen sei.

Über Marielis verweintes Gesichtchen aber glitt ein unsäglich seliges Lächeln und in ihre blauen Augen kam ein so süßes Leuchten, als sei ein ganzer Frühlingshimmel in sie herabgesunken.

„Gelt, Heini, du schreibst mir auch einmal?“ sagte sie nach einer Weile.

„Ich werde dir alles schreiben, wie’s in der Stadt ist, und weißt,“ – ich war in dem Augenblicke wirklich fest entschlossen dazu – „wenn’s mir dort nicht gefällt, dann komm’ ich zurück und bleib’ da. Und dann werd’ ich auch nicht Förster, dann lern’ ich die Müllerei.“

In diesem Augenblicke erscholl hinter mir ein höhnisch meckerndes Lachen. Bartl war nach seiner Gewohnheit, überall zu horchen und zu lauern, heimlich herangeschlichen und hatte jedenfalls unser Gespräch oder wenigstens einen Teil desselben belauscht.

Wir beide haßten uns aufs grimmigste, und hätte mich nicht ein bittender Blick Marielis abgehalten, ich hätte mich augenblicklich auf ihn gestürzt und mit den Fäusten Abschied von ihm genommen.