Aber auch er erkannte, daß mit mir jetzt nicht gut Kirschenessen sei, und ein paar Schritte zurückweichend sagte er: „O je, was der jetzt für Augen macht, so wild! Und grad hat er so gut Busserl geben können!“

Ich trat einen Schritt auf ihn zu und drohte ihn an: „Du!“

Schon war er aber wieder zurückgewichen und an der Gartentür höhnte er: „Mit einem Studenten rauf ich nit; aber wannst heimkommst und Müller wirst, dann ja. Bhüt dich Gott, Busserlstudent!“

Wieder ein höhnisch meckerndes Lachen und der Bursche war verschwunden.

Zornglühend wandte ich mich wieder dem Marieli zu. Sie stand da, das liebe Gesichtchen mit flammender Röte bedeckt.

„Was hast du denn, Marieli?“ fragte ich, als sie vor meinem Blick die Augen senkte.

Da ging ein leichter Schauer durch ihren schmächtigen Körper, und dann sah sie mich an, so eigen, so fremd und doch so vertraut, wie mich noch kein Mensch angesehen hatte. Es war nicht Heris fordernder und zugleich verheißender Blick, es war etwas, wie aus einem mir ganz unbekannten Lande. Wie ein Schauer zog es durch meine noch eben von heißem Zorn erfüllte Seele, wie ein kühler Strom, der alle Aufgeregtheit besänftigt und doch das Herz wieder erzittern macht. Ein Neues war in mein Leben getreten, dessen Namen ich damals noch nicht kannte, aber noch tief und schmerzlich kennen lernen sollte: die Liebe.

Verwirrt standen Marieli und ich voreinander und es war uns beiden eine Erleichterung, als wir die Stimmen unserer Mütter hörten, die sich voneinander verabschiedeten.

Die Müllerin gab mir noch herzliche und wohlgemeinte Worte und Lehren auf den Weg mit und ließ sich’s auch nicht nehmen, mir zwei blanke Guldenstücke in die Westentasche zu schieben, denn, meinte sie, sie habe einmal gehört, daß Studenten immerzu Geld brauchten.

Meine Mutter und ich schritten weiter. Wir hatten noch einen Abschiedsbesuch zu machen, den auf dem Friedhofe.