Und da hob ich die Augen gegen Himmel und sprach laut und fest: „Ja, Vater, ich werd’ alleweil recht brav sein!“
„So ist’s recht, Heini! und jetzt beten wir noch miteinander einen Vaterunser.“
Laut hub meine Mutter das Gebet an und ich sprach es mit und dann schlugen wir das Kreuz und erhoben uns langsam.
In der Höhe des Grabhügels war an dem Kreuze ein kleiner Blechkessel mit Weihwasser angebracht, über dem ein vollständig abgewelkter Strauß von Kornblumen steckte. In diesen Kessel tauchte nun die Mutter die Finger und zeichnete mir dann drei Kreuze auf die Stirne. Darauf wandte sie sich nochmal zum Grabe und wie in einem Selbstgespräche sagte sie: „Bhüt dich Gott, Franzl! Schau auf unser Kind, du kannst es. Laß ihn nit unglücklich werden!“
Schweigend verließen wir den Friedhof. Als wir die rostige Gitterpforte hinter uns hatten, sah ich nochmals zurück und da hatte sich auf die weißlackierte Blechtafel des Grabkreuzes, die den Namen des Vaters trug, soeben die Sonne gelegt und es war mir, als lächle mir von dort das liebe Gesicht des Vaters zu. So stark war dieser Eindruck, daß ich leise zurückwinkte und mit gestärktem Mute ging ich weiter.
Zu Hause gab es noch allerlei zu packen und die Mutter begleitete jedes Stück, das sie in den großen Holzkoffer legte, mit guten Lehren, Ermahnungen, Gebrauchsanweisungen und von all dem Aufmerken und den Aufregungen des Tages war ich schließlich so müde geworden, daß ich wie ein Stück Holz ins Bett fiel und auch sofort einschlief. Und kein Traum störte diesen Schlaf.
IV.
Und nun hat er doch Einlaß gefunden, der Sturm. In einer der seltsamen Nächte, die wir jetzt hatten, mag er das Pförtlein gefunden haben, das in unsere Bergwelt führt. So still war’s draußen und doch so voll heimlichen Lebens. Jedes Wesen hatte mit sich selbst zu tun, sich zu rüsten zur Frühlingsfeier, und das war ein Geraune und Getue, ein Gewisper und Geflüster fern und nah, als wäre die ganze Welt in Aufruhr geraten und alles eile im schützenden Dunkel einem Verschwörungsort zu.