Er hatte die letzten Worte mit schwärmerisch inniger Begeisterung gesprochen und in seinen braunen Augen lag ein Glanz, der nicht von dieser Welt war.

Ich wußte nichts zu sagen, aber ein wundersames Empfinden zog durch mein Herz, halb Glück und halb ehrfürchtiger Schauer, und es war mir, als stünde ich wieder droben auf dem Blassenstein, die große, leuchtende Welt vor mir und in der Seele jenes jauchzende Klingen, das mich damals zum Dichter machte.

Und da sah mich Oskar treuherzig an und sagte über sich selbst lächelnd: „Gelt, ich bin ein verrückter Kerl! Aber da kannst nichts machen, es hat einen und man kommt nicht mehr los! Aber nicht wahr, den andern sagst du nichts davon. Ich möchte nicht spotten hören, denn da – da –“ sein Gesicht nahm den Ausdruck finsterer Entschlossenheit an – „da müßte ich einen niederschlagen. Bei dir habe ich das Gefühl, daß du mich verstehst.“

Mit diesen Worten reichte er mir die Hand und sah mir fest und treu in die Augen, und ich erwiderte den Druck seiner Hand und sagte: „Ja, Oskar, ich verstehe dich, und wenn du magst, so wollen wir Freunde sein!“

Und wie wir mitsammen nach Hause schritten, entwickelte er seinen Lebensplan. Er wollte zuerst seine Studien vollenden, die Matura ablegen, dann aber auf die Kunstakademie gehen. Vorerst aber galt es, den Boykott der Kameraden zu brechen. Als ich auf ihn einredete und ihm vorstellte, daß man sein Fernbleiben vom Pfeifenklub auch als Feigheit betrachte, lächelte er nur, trat, als wir in die Stadt kamen, in die nächste Tabaktrafik und kam mit einer dampfenden Zigarre heraus.

Trotz meiner Vorstellungen rauchte er sie durch die ganze Stadt, warf sie auch vor der Anstalt nicht weg, sondern stieg gemächlich die Treppe hinan und trat rauchend ins Studierzimmer.

Die Kameraden staunten ihn wie ein Wundertier an, der Präfekt sprang auf und starrte ihn eine Weile sprachlos an, dann fuhr er auf ihn los: „Ja Sie, sind Sie denn des Teufels? Was unterstehen Sie sich?“

Da warf Oskar den glimmenden Stummel in den Spucknapf und sagte gleichmütig: „Ich habe ein Bedürfnis gehabt, zu rauchen.“

Der Präfekt kam noch mehr außer sich und schrie: „Gut, dann haben Sie jedenfalls auch das Bedürfnis zu einem vierzehntägigen Hausarrest!“

Oskar verneigte sich stumm und begab sich auf seinen Platz. Später, als der Präfekt einmal das Zimmer verließ, sagte er auf die bewundernden Worte, die ihm nun allgemein gewidmet wurden: „Ja, sich heimlich wo zusammenhocken und Pfeifen zu rauchen, braucht weniger Mut. Wenigstens seht ihr, daß ich kein Feigling bin.“