„Interessiert dich das?“
„Na, weißt du, du mußt nicht gleich wieder anzüglich werden. Übrigens: geheiratet muß es doch einmal sein, und, na, wenn ich mich einmal verkaufe, dann will ich auch was haben davon und mehr als bloß einen Haufen Geld. So viel Idealismus habe ich mir immer noch bewahrt. Weg werfe ich mich nicht!“
Während der letzten Worte hatten mich die beiden Offiziere, die sich offensichtlich wegen eines so jungen nebensächlichen Menschen, wie ich einen vorstellte, keinerlei Reserve in ihrem Gespräch auferlegten, überholt und ich sah mir den einen, den mit den Heiratsgedanken, genauer an. Er war ein junger, hübscher Mensch mit fröhlichen Augen im offenen, ehrlichen Gesicht, und wenn ich ihn damals auch bei mir selbst einen Gecken und Laffen nannte, das empfand ich doch, und all mein gewaltsam aufgepeitschtes Selbstgefühl konnte es nicht ändern, daß er mir gesellschaftlich unvergleichlich überlegen sei, daß ich neben ihm überhaupt nicht in Betracht kommen könnte. Wozu solche Menschen wie ich auf der Welt herumlaufen? Am besten wäre es: eine Kugel durch den Kopf, und Schluß. Sterben, ja sterben, das wäre jetzt gut, oh, so gut!
Und da fiel mir Oskar ein. Sein abgezehrtes, bleiches Antlitz tauchte vor mir auf; leibhaftig sah ich es vor mir mit den fieberisch glänzenden Augen, die in ängstlicher Frage auf die Türe gerichtet waren, durch die ich eintreten mußte: warum kommst du nicht? Warum kommst du nicht, Heini?
Ja, dort war ein Mensch, der sich nach mir sehnte, dem ich, der arme, unscheinbare Student, alles war, und wenn jetzt dieser schmucke Offizier dort vor mir vor ihn hingetreten wäre und gesagt hätte: „Ich will dein Freund sein!“ er hätte ihn stehen lassen und die Hand nach mir ausgestreckt.
Oskar und ich, wir gehörten zusammen, und wie ich nun auf das Spital zuschritt, wurde es mir immer klarer und klarer: wenn er gestorben war, dann wollte ich ihm nachfolgen.
Auf dem langen Korridor des Spitals, der zu dem Zimmer führte, in dem Oskar lag, traf ich die Krankenschwester.
„Gott sei Dank!“ sagte sie, „daß Sie endlich kommen! Ihr Freund ist entsetzlich aufgeregt. Schon seit zwei Stunden wartet er auf Sie. Alle paar Minuten fragt er nach Ihnen und erst vor zehn Minuten sagte er, ich müsse Sie holen lassen, wenn Sie nicht bald kämen. Er ist ganz verändert, gar nicht mehr so ruhig wie bisher. Seien Sie ja recht vorsichtig und lassen Sie um Gottes willen ja nichts merken. Ich fürchte nämlich, er hat irgendwie, wie, das weiß ich nicht, erfahren, wie es um ihn steht.“
Leise klinkte ich die Türe auf und trat ein.
Zwei große und brennende Augen empfingen mich, aber kein Schimmer von Freude erhellte sie. Starr, eindringlich forschend waren sie auf mich gerichtet, und so folgten sie mir auch, während ich auf das Bett zuschritt, ihm die Hand reichte und mich dann auf den Sessel niederließ.