Sehr erstaunt war ich, daß mich die Tante einlud, ich möge, wenn ich Zeit und Lust habe, an jedem meiner Ausgangstage bei ihr vorsprechen. Ich war ganz entzückt über diese ihre Liebenswürdigkeit und hatte keine Ahnung von dem feinen Plan, den sie damit verfolgte.

Als ich das nächstemal kam, hatte Heri schon ihren ersten Ball hinter sich und schwärmte mir nun von demselben in begeisterten Worten vor. Daß mir dabei unsäglich weh ums Herz wurde und daß eine namenlose Eifersucht in mir aufstieg, das bemerkte sie nicht. Wären wir allein gewesen, so hätte ich sie gebeten, bestürmt, diese Welt zu meiden, denn ich könne es nicht ertragen, zu hören, wie sie gefeiert und bewundert werde, wie man ihr Schmeicheleien sagte, wie andere den Arm um sie schlingen durften; so aber war die Tante hier und es machte ihr ein sichtliches Vergnügen, Heris Berichte dort zu ergänzen, wo dieser ein feines Empfinden sagte, das müsse sie mir verschweigen.

„Ja, denken Sie, Heri hat sogar schon eine Eroberung gemacht: einer der schmucksten Offiziere der hiesigen Garnison, Oberleutnant von Steindl, interessiert sich sehr für sie.“

„Aber Tante,“ warf Heri ein, deren Antlitz sich in tiefen Purpur gehüllt hatte.

„Aber Kind, das ist doch nichts Schlechtes! Darüber brauchst du doch nicht zu erröten!“

Nun warf Heri energisch nach ihrer Weise den Kopf empor und sagte: „Mir ist aber der Herr Oberleutnant ganz gleichgültig. Er imponiert mir durchaus nicht so, wie er sich vielleicht einbildet.“

„Aber Kind,“ wehrte die Tante ab, „wer sagt dir denn, daß sich der Herr Oberleutnant was einbildet! Der ist der letzte dazu. Er ist so ein lieber, gemütlicher und dabei immer heiterer Mann, daß man nur froh sein könnte, wenn alle so wären. Du gefällst ihm und das hat er mir gesagt. Wie du weißt, verkehrt er in meinem Hause und es würde mich wirklich wundern, wenn er nicht noch heute vorspräche.“

Und richtig: es dauerte keine fünf Minuten, so meldete das Dienstmädchen den Herrn Oberleutnant von Steindl.

Der junge Offizier war sichtlich überrascht, noch ein anderes männliches Wesen bei den Damen zu finden, und ich beobachtete, wie er, während er diese mit vollendeter Artigkeit begrüßte, nach mir herüberschielte.