Aber ich ließ sie nicht; außer mir stammelte ich zwischen meinen Küssen: „Heri, dies eine Mal, – dies eine Mal – will ich noch glücklich sein, Heri – ich hab dich so lieb – so lieb, Heri – so lieb – –“
Ihr Widerstand erstarb in meinen Armen, schlaff lag sie an meiner Brust und auf einmal fühlte ich heiße Tropfen auf meiner Wange.
Das brachte mich zur Besinnung.
„Heri,“ flüsterte ich, „weine nicht. Ich hab dich nur nochmal küssen wollen, ehe ich für immer von dir gehe: Bist du mir böse?“
Sie schüttelte weinend den Kopf, reichte mir die Hand und sagte mit tränenzitternder Stimme: „Geh jetzt, Heini!“
„Ja, ich gehe!“
Mit einem Blick umfing ich nochmals die geliebte Gestalt, dann stürmte ich hinaus in die nächtliche Straße.
Frei hatte ich meine Seele machen wollen und nun lag sie hilfloser denn je am Boden. Meine junge, erste, heilige Liebe hatte ich auslöschen wollen und nun flammte sie in mir in dem himmelhohen Lodern eines vernichtenden Weltbrandes. Wie in vulkanischen Essen tobte es in meiner Brust und warf Glück und Schmerz in wilden, unbewußten Worten über meine Lippen. Ich fühlte noch ihren schlanken Leib in meinen Armen, ihren heißen Lippen auf meinem Munde, und während ich durch die dunklen Gassen ziellos dahinstürmte, sprach ich vor mich in qualdurchschauerter Seligkeit: „Ich habe dich geküßt, Heri, zum letztenmal, und du kannst diese Küsse nicht vergessen, nie und nimmer!“
Ein Mann ging an mir vorüber. Ich achtete es nicht, daß er mich ansah und dann stehen bleibend mein Fortstürmen beobachtete. Ich war im Rausch und merkte es nicht einmal, daß warme Windstöße durch die Straßen fuhren und den Staub aufwirbelten und daß in der Ferne ein Frühgewitter zu murren begann.
Ich war in den Park gekommen und da kam endlich die Müdigkeit über mich. Auf einer Bank warf ich mich nieder. Schwüler, drückender Blumenduft. Wie heiße Hände strich mir der Gewitterwind über das Gesicht und nun fielen die ersten Tropfen, groß und schwer und kalt. Wie das auf meiner glühenden Stirn, auf meinen brennenden Augen wohltat! Und plötzlich eine jagende Flamme über den ganzen Himmel hin und darauf ein langgezogenes Rollen.