Das brachte mich zur Besinnung. Wenn ich nicht bis auf die Haut naß werden wollte, so mußte ich so schnell als möglich nach Hause. Und auch aus einem anderen Grund. Dem Hausdiener der Anstalt konnte es einfallen, nachzusehen, ob alle Fenster geschlossen seien. Und wenn er dann das zumachte, durch das ich entwichen war, so konnte ich nicht mehr in die Anstalt hinein und ich war entdeckt. Die Folge davon aber konnte bei der strengen Hausordnung nur eine sein: der Ausschluß aus der Anstalt.

Auf den nächsten Wegen stürmte ich der Anstalt zu. Mein einziger Gedanke war: nur jetzt das Fenster noch offen treffen! Aber ehe ich noch die Anstalt erreichte, brach das Gewitter los und im gießenden Regen kletterte ich über den Zaun und jagte durch den Garten. Gott sei Dank! das Fenster stand noch offen.

Ein Schwung und ich saß auf dem Fensterbrett. Vorsichtig ließ ich mich auf die Fliesen des Korridors niedergleiten.

In diesem Augenblicke aber fühlte ich mich gepackt und während der volle Schein einer Blendlaterne auf mich fiel, hörte ich eine mir nur zu wohlbekannte Stimme mit ingrimmiger Befriedigung sagen: „Also, da haben wir ihn nun! Lassen Sie ihn nicht los, Herr Präfekt, der Bursche ist zu allem fähig.“

Es war der Direktor der Anstalt, der mich auf solche Weise empfing, und da wußte ich, daß ich verloren sei. Der Mann war mir nie grün gewesen! Er liebte nur die in Hundedemut vor ihm Ersterbenden unter seinen Zöglingen und so wenig er Oskars Freund gewesen war, so wenig war er auch der meinige.

„Woher kommen Sie!“ fuhr er mich nun an.

Ich gab keine Antwort.

„Haben Sie meine Frage gehört oder nicht?“

Ich gab abermals keine Antwort.