Ich hörte nicht, was man mich noch fragte, ich gab keine Antwort, ich stand wie betäubt und meine Augen starrten zu Boden, als öffne sich da vor ihnen der Abgrund, in dem alles versunken war, was mir bisher als heilig und unverbrüchlich gegolten hatte.
Was kümmerte es mich jetzt, daß der Anstaltsdirektor meine Ausschließung beantragte, daß der Gymnasialdirektor erklärte, er wolle sofort eine Konferenz seines Lehrkörpers einberufen und denselben Antrag stellen, denn er habe tatsächlich einsehen gelernt, daß ich eine Gefahr für die Moralität der ganzen Klasse, ja der ganzen Anstalt sei. Mochten sie reden, mochten sie tun, was sie wollten; in dieser Welt, in die mich diese Stunde geworfen hatte, war alles möglich. Gegen die Mächte, die in ihr das Szepter führten, war ich machtlos.
Mein Klassenvorstand trat auf mich zu und fragte mich: „Haben Sie denn gar nichts zu Ihrer Verteidigung anzuführen?“
Ich wußte nichts, mir fiel nichts ein und achselzuckend wandte sich der alte Mann ab und ich hörte nur noch, wie er sagte: „Das ist die größte Enttäuschung in meinem vierzigjährigen Lehrerleben.“
Dann trat der Präfekt auf mich zu und führte mich schweigend in den Karzer zurück.
IX.
Gestern sind die ersten Touristen in meine Einsamkeit gekommen. Auf den Wildenstein wollten sie hinauf und waren sehr enttäuscht, als ich ihnen sagte, daß der Weg von hier aus nicht gangbar sei, da ihn die Frühlingswasser zerstört haben. Sie schimpften gewaltig über die bodenlose Nachlässigkeit, daß der Weg jetzt noch nicht hergestellt sei, und zogen dann grollend ab.
Arme Menschen! Von einem fußbreiten Pfad hängt ihr Glück ab, und weil sie den nicht finden, versinkt eine Welt von Schönheit vor ihnen. Keiner von den drei Männern fühlte mehr die heilige Ruhe des Hochwaldes in weichen Wellen sein Herz umschmeicheln, keiner mehr trank den balsamischen Harzduft, und keinem mehr lächelte das tiefblaue Auge des Sees, in dem alle Seligkeiten des Himmels und alle Märchen der Tiefe sich spiegeln.
Freilich, ich hätte den Männern sagen können, daß das, was sie sehen wollten, die Sonnenwendfeuer, auch hier in der Nähe zu sehen wäre und ebenso schön als auf dem Wildenstein. Aber was kümmern mich andere Menschen? Mögen sie ihre Wege gehen, ich gehe die meinen. Und meine sind die Wege der Einsamkeit, also Wege zu Festen der Seele, die eben nur der findet, der einsam sein will. Die Einsamkeit macht Könige, die Menge Bettler. Je größer der Haufe, desto armseliger der einzelne.