Doch der Arzt sagte nur: „Daran denken Sie vorläufig am gescheitesten gar nicht. Jetzt ist es Ihre erste Aufgabe, einmal ganz gesund zu werden.“
Ob meine Mutter von meiner Krankheit wisse, fragte ich weiter. Ja, sie wisse alles und hätte auch nur den einen Wunsch, ich solle nur hübsch allen Anordnungen folgen, damit ich bald gesund werde.
Das beruhigte mich, und als mir gar der Doktor sagte, daß ich für heuer selbstverständlich nicht mehr in die Anstalt zurückkehren brauche, da ich nach Hause zur Erholung müsse und dafür bereits gesorgt sei, daß es mir recht gut ginge, da kehrte eine stille Freude in mein Herz ein, die warm und wohlig durch den ganzen Körper strömte und ihn täglich kräftiger und kräftiger machte.
Und dann sagte der Doktor endlich zu mir: „Also morgen dürfen Sie nach Hause. Es wird übrigens jemand kommen, Sie abzuholen.“
„Meine Mutter?“
„Das weiß ich nicht, das wurde uns nicht mitgeteilt. Aber das eine sage ich Ihnen: hübsch vernünftig bleiben und keine Geschichten machen, wenn –“
Er unterbrach sich und ich fragte: „Warum soll ich denn Geschichten machen?“
„Na, Sie scheinen ein sehr empfindlicher Mensch zu sein, und auf der Welt findet man’s nie so, wie man es sich ausmalt und wie man’s gerne haben möchte. Da heißt’s eben fügen und sich abfinden mit dem, wie es ist. Das meine ich.“
Ich glaubte darin eine Anspielung auf Heri zu hören, und wenn mich auch eine leise Wehmut durchzuckte, das eine wußte ich, daß ich nun vor ihr gefeit sei. Wie ein böser, toller Traum erschien mir alles, was hinter mir lag und selbst für den Fall, daß ich am Ende nicht mehr weiterstudieren sollte können, fühlte ich doch noch die Kraft, ein glücklicher und froher Mensch zu werden.
Als ich am nächsten Morgen erwachte, fand ich auf dem Stuhl neben meinem Bette meine Sonntagskleider, in denen man mich ins Spital gebracht hatte. Meine übrigen Habseligkeiten, war mir gesagt worden, seien schon in der Heimat.