Noch einmal kam der Arzt und als er ging, reichte er mir die Hand, sah mich eine Weile an, als wolle er mir noch etwas sagen, sagte aber nichts als: „Also, lieber, junger Freund, vernünftig sein.“
Auch die Schwester, die mich so aufopfernd gepflegt hatte und die mich jetzt bis zur Türe des Besuchszimmers geleitete, sah mich so eigentümlich an und als ich ihre Hand faßte und ihr aus ganzem Herzen für all die Mühe dankte, die sie sich um mich gegeben, da war es mir, als stiege in ihren Augen ein feuchter Schimmer auf. Leise sagte sie: „Leben Sie wohl, ich will für Sie beten.“
Ich sah ihr nach und als sie an der Biegung des langen Ganges verschwunden war, drückte ich auf die Klinke und trat in das Besuchszimmer ein.
Zwei liebe, vertraute Gestalten erhoben sich von den Stühlen, die Müllerin und die Marieli. Erstere kam mir ein paar Schritte entgegen und reichte mir mit innigem Druck die Hand: „Grüß dich Gott, Heini. Also du bist halt doch wieder gesund worden.“
Und nun kam auch Marieli auf mich zu, schüchtern, das blasse, feine Gesichtchen von Purpur überströmt, vom Purpur der Freude und der Liebe. Wortlos reichte sie mir die Hand, aber der selige Glanz auf ihrem Antlitz jubelte einen Willkommgruß, der mich tief glücklich machte.
„Ist meine Mutter nicht da?“ fragte ich, denn mir fiel plötzlich auf, warum denn die zwei Frauen allein hier seien.
„Ist sie krank?“
„Nein, Heini.“
Marieli senkte das Haupt und auch die Müllerin gab nicht sofort Antwort, als ich aber die Frage nochmals und drängend wiederholte, sagte sie, indem sie mir die Hand auf die Schulter legte: „Krank ist sie eigentlich nicht mehr. Du weißt ja, sie hat dir’s ja selbst gesagt, daß sie herzleidend ist, und da haben wir uns halt gedacht, es sei das beste, wenn wir zwei dich abholen. Meinst du nicht auch?“