Um unsere gegenseitige Verlegenheit zu verbergen, fingen wir dann immer von gleichgültigen Dingen zu reden an.

So saßen wir Tag für Tag beisammen und so verging der Winter, der Frühling kam und der Mühlbach rauschte wieder stärker mit lenzgeschwellten Wassern unter seinem Rade dahin. Dann kamen die Schneeglöcklein und die Himmelschlüssel und die Welt wurde mit jedem Tag lichter und wärmer.

Im Befinden der Müllerin aber stellte sich nicht, wie sie und wir gehofft hatten, eine Besserung ein, sondern im Gegenteil, der Verfall schritt sichtlich vor.

Ich war mittlerweile zwanzig Jahre alt geworden und erhielt die Vorladung zur Assentierung.

Als ich von derselben nach Hause kehrte, trug ich ein buntes Sträußlein von künstlichen Blumen mit großen Glaskugeln geschmückt auf dem Hut, denn man hatte mich für den Militärdienst für tauglich befunden. Der mir das Sträußlein gekauft hatte, war aber Bartel gewesen, der zum dritten Male, und also endgültig für untauglich erklärt worden war und der darüber, wie er sagte, eine Freude hatte, als hätte man ihm einen blanken Tausender geschenkt.

Er wollte mich auf dem Heimwege in freigebigster Weise in jedem Wirtshause mit Wein bewirten aber mir stand der Sinn nicht darnach. Ich fürchtete das Militärleben durchaus nicht, denn ich sagte mir, daß ich bei meiner Vorbildung wohl sehr rasch die Stelle eines Unteroffiziers erreichen würde, aber ich dachte an mein friedsames Leben in der Mühle und ich dachte an Marie. So ließ ich denn Bartel seinen Jubel allein in den vollen Krug hineinjauchzen und tat ihm nur scheinbar Bescheid. Und als wir endlich nach Hause kamen, da torkelte er in seine Kammer und kam an diesem Tage nicht mehr zum Vorschein.

Als Marie das Sträußlein auf meinem Hute sah, erblaßte sie, und ihre Augen füllten sich mit Tränen.

Wir standen in dem kleinen Vorgarten vor dem Hause, in dem gelber und blauer Krokus blühte.

„Ja,“ sagte ich, „jetzt haben sie mich und im Herbst heißt es fort von da.“