Darauf sagte Marie kein Wort, sondern schritt den Kiesweg entlang und auf die Bohnenlaube zu, um deren graue Latten sich noch das dürre Gewinde vom Vorjahre schlang.
Ich folgte ihr und sie ließ sich auf der Bank in der Laube nieder und blickte, ohne mich anzusehen, vor sich hin.
Mir preßte es das Herz zusammen, aber ich bot all meine Selbstüberwindungskraft auf und sagte in leichtem Tone: „Mein Gott, eigentlich liegt gar nichts dran. Die drei Jahre werden auf ja und nein wieder vorbei sein!“
Da, im nächsten Augenblick schlug Marie die Schürze vor das Gesicht, ihr Kopf sank auf die Tischplatte nieder und sie begann zu schluchzen, daß ihr ganzer Körper bebte.
„Aber Marie, Marie, was hast denn?“ versuchte ich sie zu trösten, und zum ersten Male wagte ich es, über ihr blondes, weiches Haar zu streichen. Aber ihr Schluchzen wurde nur noch heftiger.
„Marie,“ bat ich wieder und fühlte dabei, wie es mir die Kehle zuschnürte, „Marie, sei doch ruhig. – – Marieli!“
Ganz von selbst war mir der alte Kinderkosename über die Lippen gegangen und da hob sie das tränenüberströmte Gesicht und sah mich mit einem Blick an, in dem all ihre Liebe und all ihr Schmerz lagen.
Und da ließ ich mich neben ihr auf die Bank nieder, legte scheu den Arm um ihre Schultern und fragte mit vor Glück bei jedem Wort stockender Stimme: „Marieli, hast du mich denn wirklich so gern?“
Statt jeder Antwort schlang sie beide Hände um meinen Nacken, preßte ihr glühendes, nasses Gesicht an meine Brust und begann aufs neue zu schluchzen.
In meiner Seele aber stieg es jubelnd empor wie ein Frühlingslied aus tausend sonnberauschten Lerchenkehlen, ich drückte meinen Mund auf Maries Haar immer wieder und wieder und dazwischen stammelte ich in abgebrochenen Worten mein Glück hervor: „Marieli, ist’s denn wirklich wahr! Du hast mich gern?“