O Sommernacht, stille ewigkeitsdurchklungene Sommernacht! Dichter haben dich besungen, Königsharfen haben dir getönt; aber kein Lied und keine Harfe, würden sie auch Engelshände rühren, könnte den Zauber aussagen, der deinem Frieden entströmt. Du bist die Reife, die Vollendung, in dir erlöst sich das Endliche, um im Unendlichen aufzuerstehen. Du bist der Friede!
Und das soll aus meinem Leben noch werden: eine dämmernde Erdenwelt mit ewigen Sternen darüber, und darum will ich dieses Buch so bald als möglich zum Abschluß bringen. Es soll meine Erlösung vom Endlichen, die Pforte ins Unendliche sein.
Was soll ich überhaupt von meinem ferneren Leben in der Mühle noch weiter erzählen? Marie und ich, wir liebten uns, und täglich, ja fast stündlich kam es mir beglückender zum Bewußtsein, wie unsagbar groß die Liebe war, mit der Marie an mir hing, aber auch, wie tief ihr Schmerz gewesen sein muß, als sie mich in den Banden der anderen hatte sehen müssen.
Ich wollte ein paarmal von Heri zu sprechen anfangen, denn ich meinte, ich sei es Marie schuldig, ihr eine Beichte abzulegen, aber sie ließ es nicht zu.
„Red nicht davon, Heini,“ bat sie dann jedesmal, „die Sache ist vorbei und soll für immer vorbei sein. Jetzt hab’ ich dich und sonst will ich ja nichts vom Leben.“
Maries Liebe kannte keine Frage nach Vergangenheit oder Zukunft; sie war ganz und gar nur Gegenwart, sie gab und gab ohne auch nur einen Augenblick zu überlegen, ob und wie lange ihre Schätze ausreichen würden.
So ging der Frühling dahin und der Sommer kam, ein prachtvoller Sommer. Selten nur, daß ein Gewitter mit Krachen und Schmettern durch unsere Berge fuhr, selten nur graue, regenverhangene Tage, fast immer strahlende Sonne über den weiten, liederklingenden Wäldern.
Noch funkelte der Tau auf den scharlachroten Bohnenblüten der Laube, da schoben schon Marie und ich den Lehnsessel, in dem die Mutter saß, hinaus in den Garten und dort in dem Gartenwinkel unter dem Hollerbaum, der seine weißen duftenden Trauben dem Lichte entgegenstreckte, als wolle er all den warmen Sonnensegen allein für sich nehmen, dort saß die Kranke und murmelte in das Bachrauschen und Mühlengeklapper ihre stillen Gebete hinein.
Marie aber saß, so oft ihr die hauswirtschaftliche Arbeit dazu Zeit ließ, nebenan in der Bohnenlaube bei ihrer Näharbeit und so oft ich Zeit hatte, war ich bei ihr draußen.
Bartel hatte sein Spionieren scheinbar ganz eingestellt und war überhaupt seit meiner Assentierung so heiter, wie ich ihn nie gesehen hatte. Ich sagte ihm das auch einmal und er antwortete: „Ja, weißt du, ich hab mich vor dem Militär ganz damisch gefürchtet; nicht vor dem Exerzieren, sondern vor dem Fortgehen von zu Hause. Was wär’ denn aus der Mühl geworden! Auf fremde Leut ist kein Verlaß!“