In einem kleinen Koffer hatte ich meine Habseligkeiten: meine Wäsche, ein paar Bücher, von denen ich mich nicht trennen hatte können: Eichendorffs Gedichte und den Werther. Auch eine kleine, verschließbare Kassette war drinnen, die einige Banknoten barg. Es waren diejenigen, die mir aus dem Erlös der elterlichen Erbschaft geblieben waren.

Von Marie hatte ich schon am Abend Abschied genommen. In der Bohnenlaube, an der die welken Blätter raschelten, hatte sie lange, lange an meinem Hals gehangen und still vor sich hingeweint. Kein Wort kam über ihre Lippen, das mir das Herz hätte schwer machen können. Was ihr an Bangigkeit und Sorge das Herz schwer machte, das ließ sie in Tränen dahinfließen und als sie merkte, daß auch mir die Brust zu arbeiten begann, da sah sie mich mit feuchtschimmernden und doch lächelnden Augen an und sagte: „Gelt, Heini, ich bin recht ungeschickt. Wenn ich dich sehen will, in die Stadt hinein ist’s ja nit weit und du kriegst gewiß auch bald wieder Urlaub.“

Mir einen Schwur der Treue abzuverlangen, fiel ihr nicht ein; ihr felsenfestes Vertrauen auf mich ließ einen Gedanken der Untreue gar nicht aufkommen.

Ihre letzten Abschiedsworte an mich waren: „Und jetzt schlaf noch einmal recht gut unter unserem Dach, Heini, schlaf recht gut!“

Und ehe ich sie nochmal an mich hatte ziehen können, war sie davon.

Schwer gestaltete sich der Abschied von der Müllerin. Wie ich mir auch Mühe gab, ihr die bösen Ahnungen auszureden, sie blieb dabei: „Nein, nein, Heini, wir sehn uns nimmer. Aber,“ setzte sie hinzu, „die Mühl’ da steht dir immer offen. Das muß mir der Bartl versprechen.“

Als ich mich endlich auf ihre Hand niederbeugte, um sie zu küssen, ließ sie es willig geschehen, dann aber zeichnete sie mir drei Kreuze auf Stirn, Mund und Brust und sagte: „So jetzt b’hüt dich Gott, Heini, und wenn ich bald zu deiner Mutter und deinem Vater komm, werd ich ihnen sagen, daß du ein braver Mensch worden bist.“

Kurz war der Abschied von Bartel. Wir drückten uns kräftig die Hand und er meinte scherzend: „Na und schau halt, daß kein Krieg ausbricht. Ist eine fade G’schicht das, hab ich mir sagen lassen. Die Feinde sollen beim Herschießen schon gar nit aufpassen und da ist leicht ein Unglück gescheh’n.“

Als mir aber an der Haustüre Marie nochmal die Hand reichte, da sagte er: „Verstellt’s euch nit, gebt’s euch ein Bußl, ich weiß’s ja so!“

Und diskret trat er in die Stube zurück und ließ uns noch einmal kurzen, heißen Abschied nehmen.