Nach einer Stunde kam er wieder zu mir zurück und fragte mich, ob er eine Nacht bei mir bleiben könne.
Ich war von dieser Frage so überrascht, daß ich mich augenblicklich nicht entscheiden konnte, und um Zeit zu gewinnen, stellte ich die Gegenfrage, was er denn eigentlich da heroben wolle.
„Eigentlich wollte ich da ein wenig botanisieren,“ entgegnete er, „aber ich will auch das lassen und einmal einen ganzen Tag selbst nichts anderes sein als Pflanze, die Licht und reine Luft trinkt. Sie werden das freilich nicht verstehen und begreifen,“ setzte er noch hinzu, „denn Ihr Landleute meint ja, daß es nichts Schöneres gäbe, als das Leben in einer Stadt. Ihr wißt ja selbst nicht, wie schön, wie gut Ihr es habt. Dieser Friede hier, diese Ruhe und diese kostbare Luft! Ah! Wenn man das so ein Jahr haben könnte.“
„Nun so siedeln Sie sich einmal ein Jahr da irgendwo im Hochwald an!“ entgegnete ich lächelnd.
Da seufzte der Mann auf: „Ja, wer das könnte. Aber da hat man Weib und Kind und es heißt arbeiten, arbeiten von früh bis Abend. Aber nun sagen Sie mir, kann ich bei Ihnen da übernachten oder nicht. Ich brauche ja kein Bett, nur ein bißchen ein Dach möchte ich über meinem Kopfe haben.“
Meine Hütte beherbergte außer dem Raum, der mir zur Wohnung diente, noch einen zweiten, der meinem Vorgänger als Ziegenstall gedient hatte.
Diesen zeigte ich dem Professor, denn als solchen mußte ich ihn bald erkennen, und er war ganz zufrieden damit. Aus dürrem Buchenlaub machte er sich selbst eine Liegestatt zurecht und ich gab ihm eine meiner groben Decken.
Wir saßen noch eine Weile beieinander und ich lernte in ihm einen tiefen Menschen, einen echten Friedenssucher kennen, so daß ich unwillkürlich auch ein wenig aus meiner Verschlossenheit heraustrat.
Als er sich endlich erhob und mir die Hand reichte, sagte er: „Sie sind auch nicht immer Kohlenbrenner gewesen.“
„Ich will es aber bleiben,“ entgegnete ich.