„Ich verstehe Sie,“ sagte er einfach, „und ich will Sie nicht stören. Jeder Mensch muß mit sich selber fertig werden und glücklich der, dem’s gelingt; der hat dann den Frieden. Gute Nacht!“
Der Professor ist auch heute noch geblieben und wir haben viel miteinander gesprochen und haben uns gut verstanden. Als er dann aufbrach, sagte er: „Leben Sie wohl, lieber Freund! Ich weiß heute, was ich mir schon gestern dachte, daß Sie einmal andere Zeiten gesehen haben. Aber ich frage nicht und glauben Sie meiner Versicherung, daß ich auch drunten im Tale Ihrer Lebensgeschichte nicht nachfragen werde. Ich freue mich, einen Menschen gefunden zu haben, dem der Friede ward, und ich nehme einen Teil davon mit in meine Arbeitsstube. Das nächste Jahr aber will ich wieder kommen und dann wollen wir es wieder genau so halten wie gestern und heute. Nicht wahr?“
Ich drückte dem Manne, dessen Auge hell und aufrichtig leuchtete, die Hand und dann schritt er davon. Wo der Weg zum See niedersteigend im Unterholz verschwindet, drehte er sich noch einmal um und winkte mit dem Hute zurück.
Also auch einer, der auf den Wegen der Einsamkeit geht trotz Weib und Kind. Er gibt Liebe, empfängt Liebe und ist doch einsam. Merkwürdig, sehr merkwürdig das!
Doch ich will zu meiner Geschichte zurückkehren.
Ich war also jetzt Soldat. Daß mir der Kasernenton behagt hätte, kann ich wohl nicht sagen, aber ich war es ja von der Anstalt her gewohnt, mich einem größeren Haufen einzufügen und die da üblichen Späße nicht gerade feiner Art wenigstens insoweit mitzumachen und mir gefallen zu lassen, um nicht allein zur Zielscheibe derselben zu werden.
Bei der Abrichtung war ich bald der erste und schon nach einem Vierteljahr wurde ich zum Kanzleidienst kommandiert. Da man mich hier sehr gut brauchen konnte und auch meine Vorstudien bekannt wurden, war ich nach einem halben Jahre schon Korporal und genoß eine Art Ausnahmestellung.
Niemand war froher als ich, als mir meine Übersetzung zum Kanzleidienst bekannt gegeben wurde. Hier unterstand ich in erster Linie dem Hauptmann und hatte mit den übrigen Offizieren, den Leutnants und Oberleutnants, nichts zu tun.
Unter Letzteren befand sich auch Oberleutnant von Steindl. Der war nach der Aussage aller älteren Unteroffiziere früher ein sehr lustiger und gutmütiger Mann gewesen; aber bald nach seiner Verheiratung hätte sich sein Charakter gänzlich geändert und nun sei er einer der ärgsten Soldatenschinder, dem eine Kleinigkeit genüge, um einen Mann schließlich sogar auf die „Latten“ zu bringen.