Hier bot sich als nächste Zuflucht das Kloster, und es ist in der Tat auffallend, wie sehr in der zweiten Hälfte des XIII. und im XIV. Jahrhundert allerwärts in den deutschen Städten die Frauenklöster zunahmen. In diese Zeit fällt der kräftige Impuls, der von den Bettelorden ausging, in deren Klientel sich fast alle neu gegründeten Nonnenklöster begaben. Wenn die älteren Frauenklöster und Stifter Versorgungsanstalten für die Töchter des ärmeren Adels bildeten, so boten diese neueren eine Unterkunft für die überschüssige Frauenwelt des höheren Bürgerstandes und der Geschlechter, von denen manche Novizen auch an die Klöster einer näheren oder entfernteren Umgebung lieferten. Wen getäuschte Hoffnungen, überstandene Angst und Kümmernis, der Verlust von Gatten, Eltern, Geschwistern, die Furcht vor einer rohen, gewalttätigen Welt oder tiefinnerstes religiöses Bedürfnis trieben, den Schleier zu nehmen, der fand, wenn das nötige Einkaufsgeld vorhanden war, hier ein beschauliches Dasein, Gelegenheit zu geistiger Ausbildung und zu stiller Tätigkeit im Dienste der Erziehung und in weiblichen Handarbeiten, äussersten Falles wenigstens Unterhaltung und mancherlei Kurzweil. Sehr anschaulich schildert ein mittelalterliches Gedicht[24] die Tätigkeit in den Nonnenklöstern:
»Da waren vrouwen inne, die dienten Got mit sinne:
Die alten und die jungen lasen unde sungen
Ze ieslicher im tage zit, si dienten Gote ze wider strit,
So si aller beste kunden, und muosen under stunden,
So si niht solden singen, naen oder borten dringen
Oder würken an der ram; ieglichiu wold’ des haben scham,
Die da muezik waere beliben; sie entwurfen oder schriben.
Es lert die schuolemeisterin
Die jungen singen und lesen, wie sie mit zühten solden wesen,