Wenn aber z. B. die Verschiebung überhaupt nicht gezeichnet ist, so kann man sehr wohl die Horizontebene auch nach oben drehen, zumal wenn man oben in der Zeichnung mehr Raum zur Verfügung hat. Die folgende Aufgabe gibt davon eine Anwendung.

Aufgabe 9. Gegeben sind eine Gerade A der Grundebene und ein Punkt p auf ihr durch ihre Bilder A' und p'. Man zeichne das Bild einer Geraden B der Grundebene, welche in p auf A senkrecht steht.

Bringen wir das gegebene Bild A' mit dem Horizont zum Schnitt ([Fig. 29]), so ist der Schnittpunkt fa der Fluchtpunkt der Geraden A. Im Augpunkt A errichten wir eine Senkrechte zum Horizont hh und machen diese = der Distanz, so daß also

AD4 = AD1 = AD2.

D4 ist die Umlegung des Auges nach oben. Verbinden wir D4 mit fa und errichten in D4 zu faD4 ein Lot, so schneidet dieses aus dem Horizont einen Punkt fb aus, der der Fluchtpunkt aller auf der Geraden A senkrechten Geraden ist. Die gesuchte Senkrechte soll aber durch p gehen, ihr Bild B' ist demnach die Verbindungslinie von p' mit fb. fap'fb ist also das Bild eines horizontalen rechten Winkels.

19. Getrennte Lage des Grundrisses. Wir haben bisher immer angenommen, daß die Grundebene mitsamt den abzubildenden Figuren in der Verschiebung gegeben sei. Natürlich kann sie auch, getrennt von der Bildtafel, gegeben und die Lage der Bildebene durch ihre Spur, d. h. durch die Grundlinie, bestimmt sein. Beispielsweise sei in [Fig. 30 a] ein Rechteck 1 2 3 4 gezeichnet, außerdem sind die Risse A1 und O1 von A und O bekannt. In der zweiten [Figur 30 b] ist der Horizont hh mit A sowie die Grundlinie gg gegeben. Verlangt wird das Bild des Rechteckes zu zeichnen.

Die für die Lösung in Betracht kommende geometrische Eigenschaft liefert ein Blick auf [Fig. 26]. Der durch das Auge O zur Geraden A der Grundebene gezogene Parallelstrahl, welcher den Fluchtpunkt fa auf dem Horizont ausschneidet, hat in der Grundebene einen Riß, der durch O1 gehen muß, sowie durch die Projektion fa1 des Fluchtpunktes fa, und weiter muß dieser Riß parallel zu A sein, also O1fa1A.

Fig. 30 a.

Zieht man demnach umgekehrt durch O1 Parallele zu den Seiten des Rechteckes, so schneiden diese auf der Grundlinie gg die Projektionen fa1 und fb1 der Fluchtpunkte fa und fb aus. Da nun die Grundlinie mit ihren Punkten in den beiden Figuren vorkommt, so haben wir nur die Strecken A1fa1 und A1fb1 auch in [Fig. 30 b] anzutragen. Dann liefern die in fa1 und fb1 errichteten Lote zu gg auf dem Horizont die Fluchtpunkte fa und fb. Überträgt man noch weiter die Spuren der Rechtecksseiten in die [Fig. 30 b], so ist das Bild 1'2'3'4' des Rechtecks leicht fertig zu stellen.