Was dem gewissenhaften Benno seit Jahren nicht passiert war, er kam zu spät ins Bureau.
Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend tadeln. Eine unerhoffte Freude harrte seiner: In der Vesperpause gab es eine beglückende Sensation.
Wittmann war wie stets an das Pult getreten, um mit Martha zu plaudern. Er schien heute besonders galant gestimmt und ergriff wie in Gedanken Marthas Hand, um sie zu streicheln.
Jäh entzog Martha sie ihm, und in demselben Ton, in dem sie vormittags am Portal den wartenden Benno abgefertigt hatte, fuhr sie auf: »Ich möchte Sie bitten, Ihr Frühstück künftig an einem anderen Platz zu verzehren!«
Die Beamten beugten sich geschäftig über ihre Arbeiten, als hätten sie nichts gehört. Innerlich jubelten sie.
So etwas war noch nicht dagewesen.
Blutrot vor Wut schrie Wittmann: »Ich bin hier der Bureauchef, und ich kann mich hinstellen, wo mir’s paßt! Verstanden!?«
Von oben herab erwiderte Martha: »Ich werde Herrn Direktor Hermann fragen, ob er derselben Ansicht ist!«
Benno war entzückt. Also war sein Verdacht gegen Wittmann doch ungerechtfertigt. Also waren die faden Komplimente ihr doch im Grunde des Herzens zuwider, und sie hatte es nur nicht gewagt, gegen den mächtigen Bureauchef Front zu machen.
Er lachte über das ganze Gesicht, aber seine Miene erstarrte sogleich wieder, da Wittmann ihn andonnerte: »Unterlassen Sie dieses freche Grinsen, Herr Stehkragen! Mit Ihnen habe ich sowieso noch ein Hühnchen zu pflücken, Sie werden mit jedem Tag nachlässiger!«