Er wollte ihr ausweichen, aber sie kam munter auf ihn zu und frug in herzlichem Ton: »Was haben Sie eigentlich gegen mich? Was habe ich Ihnen denn getan?«
Benno sah sie eine Weile stumm an. Seine Kinderaugen weiteten sich, seine Hände falteten sich unwillkürlich.
»Wissen Sie das wirklich nicht?« sprach er langsam und gab sich die größte Mühe, das Beben seiner Stimme zu verbergen.
Martha lächelte. »Aber, bester Herr Stehkragen, wenn ich es wüßte, würde ich doch nicht erst fragen. Zürnen Sie mir denn immer noch, weil ich damals sagte, Sie sollten einen Anstandskursus nehmen?« Nun lachte sie herzlich. »Das war doch nicht so bös gemeint! Herrjeh, man legt doch nicht jedes Wort auf die Goldwage! Sagen Sie, tragen Sie mir wirklich immer noch dieses dumme Wort nach?«
Benno schüttelte traurig den Kopf.
»Nun tun Sie mir aber den einzigen Gefallen und machen Sie keine solche Leichenbittermiene!« rief Martha und schnitt ein lustiges, parodistisch-tragisches Gesicht. »Ich bin heute so famos gelaunt und mag keine traurigen Menschen sehen! Hopp, ziehen Sie Ihren Mantel an und begleiten Sie mich! Ich verzichte heute Ihretwegen auf den Kientopp – mehr können Sie doch wahrhaftig nicht verlangen!«
Wenige Minuten später wandelte Benno an ihrer Seite die Kaiserstraße hinab.
Martha plapperte und plapperte, und ihr heiteres, unbekümmertes Geplauder schien ihm köstliche Musik.
Das geträumte Feenreich tauchte wieder vor ihm auf, und an seinem Eingang stand ein lachendes Elfchen und winkte und zwitscherte: »Worauf wartest du noch? Was zögerst du noch?«
Alle die großen elektrischen Bogenlampen leuchteten: »Los, Benno, sei tapfer! Weshalb besinnst du dich noch?«