Man fand jetzt in sämtlichen Bureaus, daß viel zu wenig Arbeitskräfte vorhanden seien, und daß es eine Gemeinheit sei, an Personal zu sparen, nur damit die dickköpfigen Herren Aufsichtsräte und Direktoren fettere Tantiemen schlucken könnten.

Man sei doch kein Stück Vieh, daß man so schuften müsse. Und es sei überhaupt die höchste Zeit, daß sich einmal die Presse mit den unerhörten Zuständen in der Industriebank beschäftige.

Am lautesten schimpften natürlich diejenigen Herren, die am tiefsten vor den Direktoren zu knixen pflegten.

Je näher der Uhrzeiger auf Sechs vorrückte, desto geräuschvoller wurde es in den Bureaus. Keiner nahm mehr Rücksicht auf den anderen, jeder hatte genug mit sich selbst zu tun und arbeitete verzweifelt an dem Material, das vor und neben ihm hoch aufgeschichtet lag und nicht weniger werden wollte.

Über die Gänge hasteten Beamtinnen, die Stöße von Briefen und Wechseln zur Unterschrift in die Zimmer der Direktoren und Prokuristen schleppten, und die von einem Prokuristen abwehrend zum anderen geschickt wurden, denn keiner hatte jetzt Zeit. Es dauerte eine Ewigkeit, bis jeder Brief und jedes Dokument endlich die vorschriftsmäßigen zwei Unterschriften trugen.

Wer die erste Unterschrift gab, hatte die Pflicht, die Richtigkeit des Schriftstückes zu prüfen, und dabei gab es wieder Dutzende von Beanstandungen, Vorwürfen, Rüffeln.

»Herr Mayer soll ’rüberkommen!« schrie ein Prokurist durchs Haustelephon, und der unglückselige Mayer, der mitten aus seiner Arbeit geschreckt wurde, warf wütend die Feder hin: »Was paßt ihm denn schon wieder nicht, dem alten Schikaneur?!«

»Haben Sie das geschrieben? Es ist wirklich nicht zu glauben: Jetzt sind Sie schon fünf Jahr im Geschäft und können nicht einmal einen so einfachen Brief schreiben! Jeden Schmarren muß man selbst diktieren! Es ist zum Haarausraufen!«

Der Prokurist diktierte, der wutschnaubende Mayer stenographierte und fand natürlich, daß er selbst den Brief zehnmal klarer und deutlicher geschrieben hatte, und daß dieser Schafskopf von einem Prokuristen ein Deutsch von sich gab, dessen sich jeder Hottentotte geschämt hätte.

Und dann sauste Mayer wieder in die Korrespondenz und schrieb den verfluchten Brief zum zweitenmal und verhaspelte sich natürlich in seiner Aufregung – gerade im letzten Absatz des dreiseitigen Briefes – und mußte ihn noch einmal abschreiben! – Und endlich war das schwierige Werk gelungen, die zwei Unterschriften prangten darunter, und dann verwischte ihn beim Kopieren so eine »Gans von einer Bankbeamtin, die auch gescheiter Waschfrau geworden wäre«, und der Brief mußte zum viertenmal geschrieben werden.