Benno, dessen Seele noch von Weh und Zorn verdüstert war, nickte grollend Bejahung.
Nun kam Martha zu ihm hinüber, und es begann das »Kollationieren«.
Benno nahm die an die Kundschaft abgehenden Fakturen, las sie der Reihe nach vor, und Martha verglich mit dem Couponbuch, in das alle Posten eingetragen waren.
Aus Rücksicht auf die arbeitenden Kollegen fand dieses Ablesen im Flüsterton statt.
Und dieses Geflüster kam Benno wie etwas ungemein Geheimnisvolles vor, beinahe wie ein tête-à-tête.
Nach jedem Posten machte er beim Verlesen eine kleine Pause, um Marthas bestätigendes »Stimmt!« zu hören.
Und mit jedem »Stimmt!« schrumpfte sein Groll mehr zusammen, hellte sich sein Gemüt auf.
Bei den neunzehn Coupons 3% Portugiesen des Herrn Isidor Seligmann war der Himmel seiner Seele noch mit tiefschwarzen Gewitterwolken bedeckt – bei den sieben Löwenbräu-Dividendenscheinen der Firma Gassner und Sohn hatten sich diese schwarzen Ungetüme bereits in schmutzig-graue Regenwölkchen verwandelt – bei den dreißig Coupons 4% Rumänische amortisierbare Rente des Herrn Friedrich Rottler, Offenbach, guckte schon ein Sonnenstrählchen fürwitzig hinter einem Wölkchenrand hervor, als wollte es mit dem Kinde Benno »Kuckuck – Tata!« spielen.
Und bei den vierundzwanzig Zinsscheinen 3½% Deutsche Reichsanleihe der Henriette Bergmüller sel. Witwe, Hattersheim – o Jubel, da lachte die liebe Sonne wieder riesengroß vom blauesten Himmel und machte dem kleinen Benno Stehkragen so warm, daß er den Schweiß von der Stirne tupfen mußte.
»’n Augenblick, Fräulein Heckenröschen, ich muß bloß emal Atem schnappen!«