Während des langen Wachtraumes waren seine krummen Beinchen in das Salzhaus getrippelt und wandelten jetzt durch die Altstadt, in die die Bautätigkeit der Neuzeit klaffende Breschen gelegt hatte – mehr zur Freude der Kriminalpolizei als zur Freude der Geschichtsfreunde – und schritten über die alte Mainbrücke, deren Schicksal gleichfalls bereits besiegelt war.
Er blickte in den Main hinab, wo in flinken Ruderbooten zur nächsten Regatta geübt wurde, sah die schweren Lastkähne und hörte den Schlepper prusten.
Und malte sich im Weiterschlürfen aus, wie es wäre, wenn ...
Wenn er jetzt auch den Main hinunterschwämme, der auf altfrankforterisch »Mää« geschrieben wird und auf neufrankforterisch »Moi« gesprochen wird – und ein Haifisch wär’ – und hätt’ den Jonas im Bauch – und es käm’ der Wildschütz, der aus der Sage und einem schönen Stoltzeschen Gedicht bekannt is – und tät’ ihm einen Neuner in den Bauch schießen – wie seinerzeit in die Wetterfahne des Eschersheimer Turms – und wie dann ...
Und er kletterte bereits den Sachsenhäuser Berg hinauf und schwitzte, denn es war ein warmer Vorfrühlingstag.
Dort oben wohnte Benno Stehkragen im letzten Hause, als solider Zimmerherr der Tapeziererswitwe Josephine Petterich.
War Benno menschenscheu, daß er sich in das letzte Haus der Stadt zurückzog?
Flüchtete er vor der Großstadt in die Natur?
Nein. Denn sonst hätte er gewiß das rückwärtige Balkonzimmerchen bewohnt, das ihm Frau Petterich zuerst angeboten hatte, dieses Zimmerchen, das den Vorzug eines separaten Eingangs von der Treppe aus besaß, und das eine liebliche Aussicht in die Gemüsegärten und Obstpflanzungen des gesegneten Sachsenhäuser Berges bot, bis hinter an den Rand des Waldes.
Auch von den Vorderzimmern, die auf einen kleinen Hof hinaussahen, hatte er keines genommen, obwohl ihn dort sicherlich kein Straßenlärm gestört hätte.