Der belesene Benno glaubte sich zu erinnern, daß dieses Gedicht von Eichendorff ist; von wem die Komposition stammte, wußte er nicht. Und noch weniger wußte er, wer die Sängerin war.
Aber so viel Musikempfinden besaß er, daß er merkte: Diese nicht sehr große Stimme hatte einen ungewöhnlich lieben, weichen Klang, und das begleitende Klavier war ein unmöglicher Kasten.
Er legte das Buch aufgeschlagen auf den Tisch und hielt am Fenster Umschau nach der Sängerin.
Da war das Lied plötzlich abgebrochen, und so aufmerksam er lauschte, der Gesang ließ sich an diesem Abend nicht mehr hören.
»Wohnt hier in der Näh’ eine Sängerin?« frug Benno Stehkragen beim Abendessen die Frau des Hauses.
»Es is merr nix bekannt,« erwiderte Frau Emilie. »Soll ich emal das Dienstmädche’ frage?«
»Nein, nein!« dankte Benno. »Ich hab’ nur gemeint!«
Aber Frau Emilie frug doch das Dienstmädchen, als dieses das Bier brachte, und das Mädchen antwortete achselzuckend: »E Sängerin? Ich waaß net! Es kreischt als so aane!«
Mehr wußte sie nicht.
Und die Sängerin »krisch« noch öfters.