Die Mutter, die schon früher dem Vater bei der Arbeit geholfen hatte, führte opfermutig das kleine Geschäft weiter, aber trotz verzweifelter Anstrengungen ließ sich kaum so viel herauswirtschaften, daß Benno das Gymnasium weiter besuchen konnte.
Nur wenige Jahre überlebte seine Mutter den Vater.
Benno fand sich kurz vor dem Abiturientenexamen allein auf der Welt, als Erbe eines Geschäftes, von dem er nichts verstand und zu dem er keine Neigung hatte.
Wo sollte das Geld zum Studieren herkommen? Alle seine Hoffnungen brachen zusammen. Es blieb keine Wahl: Ein Brotberuf mußte ergriffen werden.
Freunde der Familie nahmen sich des jungen Menschen an, der eine fatalistische Gleichgültigkeit zur Schau trug, liquidierten das heruntergekommene Geschäft, retteten dem Erben eine unbedeutende Summe und verschafften ihm mit Mühe durch die Protektion von Leuten, die Benno kaum dem Namen nach kannte, eine Stelle als Lehrling in der Industriebank.
So sehr dieser Beruf Benno bald zuwider ward, er fand zeit seines Lebens nicht mehr die Energie, sich loszureißen und einen anderen Lebensweg einzuschlagen.
Mit ein paar Möbelstücken aus dem Nachlaß der Mutter, mit ein paar Bildern richtete sich Benno ein bescheidenes Heim ein. Dem Bild der Mutter gab er den Ehrenplatz über dem Sofa, das Bild des Vaters aber, das er nicht ohne Groll betrachten konnte, verkaufte er mit allerlei Gerümpel. Seine Schulbücher warf er an einer unbeobachteten Stelle in den Main.
Den voreiligen Verkauf des väterlichen Bildes bereute er freilich später.
Denn als er älter und reifer geworden war, erschien ihm sein Vater mitunter doch in einem ganz anderen Lichte, als ihn seine jungenhafte Unduldsamkeit gesehen hatte.
Der alte, abgearbeitete Mann hatte es in seiner Einfalt sicherlich sehr gut mit ihm gemeint, vielleicht am besten von allen Menschen.