Und ihm war, die edle Francofurtia, die freie Patriziertochter, trüge jetzt einen Federhalter hinter dem Ohr und habe Bureaustunden und verzeichne die Taten ihrer Schutzbefohlenen nicht mehr auf goldener Tafel, sondern in einem wohlliniierten Hauptbuch, und wenn man sie früge, wer ihr bedeutendster Sohn sei, so antworte sie: Rothschild.
Er malte sich, während er in den Abend schritt, das Bild einer solchen Francofurtia aus, er sah sie vor sich, hochgewachsen, mit goldenem Haar – und erkannte plötzlich, daß es Marthas Bild war, das ihm vor Augen schwebte.
Er blickte empor und war überrascht von dem reichen Sternenhimmel. Und da er sich erinnerte, daß der Aberglaube die Geschicke der Menschen von den Gestirnen regieren läßt, so begann er spielerisch nach dem Stern zu suchen, unter dem wohl er, Benno Stehkragen, geboren sein mochte.
War es der flackernde Sirius, der so kokett am Himmel tanzte und glitzerte wie ein Brillantring?
War es der stolze Jupiter? Der Mars? Die Venus?
Ach nein, sagte sich Benno wehmütig. Wie käm’ ich zu solch vornehmen Geburtshelfern? Mein Gestirn ist der Mond, und er war, wie ich geboren wurde, sicher im abnehmenden Viertel. Der Mond, der kein eigenes Licht hat, das ist für mich der einzig mögliche Planet. Und einen Buckel hat er auch! Die Gelehrten behaupten zwar, das sei das Mondgebirge – aber was verstehen die Gelehrten von der Wissenschaft?
Durch die Stille brach das Rattern eines nahen Eisenbahnzuges und lenkte Bennos Gedanken wieder vom Himmel auf die Erde.
Er hatte nun den Wald betreten, und Dunkel umfing ihn. Die Baumkronen standen so dicht, als schmiegten sie sich furchtsam aneinander, die Büsche und Sträucher verschwammen zu einer Nebelmauer.
Benno ging, wohin ihn der Weg führte; er hatte kein bestimmtes Ziel. Die Stille, die Finsternis taten ihm so wohl, es ließ sich dabei so schmerzlich-süß träumen.
Tönte da nicht Musik? Nein, das Rauschen eines Bächleins war es, und er wußte sogleich: Das war das Königsbrünnchen.